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10. Mein Freund und seine 16 Bitches

Und von den „hard facts“ zu den „soft facts“. Genug Corona- Talk, es ist mal wieder Zeit für eine nette Anekdote.

Vorab, ist es mir sehr wichtig zu erwähnen, dass einige meiner Artikel – vor allem der folgende – durchaus mit einem Augenzwinkern zu verstehen sind. Ich möchte, dass sie euch mitreißen, deswegen wird an emotionsgeladener Sprache und teilweise übertriebenen Darstellungen nicht gespart, vale? Venga…

Egal wie sonnig es hier ist, egal wie positiv und liebevoll die Menschen sind und egal wie viele Leckereien die spanische Küche auftischt – Beziehung bleibt Beziehung. Und in dem gleichen Atemzug, wissen wir auch alle, die Eigenheiten des Partners, bleiben die Eigenheiten des Partners.

Natürlich, man nimmt sie hin. Jedenfalls in der Mehrheit der Fälle. Manchmal liebt man sie, manchmal bringen sie einen zum lachen, manchmal hasst man sie und manchmal möchte man sie begraben sehen, neben der Unordnung, die nun mal zustande kommt, sobald „zwei Soulmates“ sich eine Wohnung teilen.

Ich beschränke mich in diesem Artikel auf eine von Ruys „Eigenarten“. Zum einen sind es wirklich nicht so viele – thank god – und zum anderen, soll das ja kein Beziehungsratgeber sein, sondern eine witzige Anekdote. Quasi ein kleiner Auszug aus unserem Zusammenleben. So fing es an:

Eine Deutsche und ein Spanier verlieben sich. Der Kerl ist ein super tiefsinniger Mensch. Er hat tolle Menschenkenntnisse , er liebt Tiere und er liebt die Natur. Das Mädel auch. Prima – it´s a match. Sie reduziert ihre Arbeitszeit, um mit ihrem „amorcito“ schön viel Zeit in Spanien verbringen zu können und auszuprobieren, ob sie das zusammen wohnen, so gut meistern, wie die Tücken einer Fernbeziehung.

Schon bei meinem ersten Besuch war ich begeistert von Ruys Wohnungseinrichtung. Sehr geschmackvoll – gefällt mir. Auffällig sind die verschiedenen Pflanzen, die in jeder Ecke zu finden sind. Drapiert in verschiedenen Töpfen, Kübeln und Vasen.

Für mich ist so eine „grüne“ Wohnung etwas ganz besonderes, da meine Wohnung eine komplett pflanzenfreie Zone ist. Ich bin so unbegabt was Grünzeug angeht – ich laufe sogar an einem vertrockneten Garten vorbei, ohne das mir in den Sinn kommt ihn vielleicht zu wässern. Über diese unschöne Eigenart meinerseits kläre ich Ruy gleich auf.

Ich liebe, wie du deine Wohnung gestaltest, Schatz, aber ich nehme mich komplett aus der „Pflanzen-Verantwortung“, denn ich würde…naja.. sie zerstören.“

Nenenenene…,sowieso würde ich das eh niemals machen müssen, erklärte mir Ruy. Das sei absolut seins. Er liebt es, sich um die Pflanzen zu kümmern. Außerdem weiß er auch genau was zu tun ist. Aha… na dann ist ja gut. Es ist völlig offensichtlich oder? Mein Freund hat einen grünen Daumen. Es stellte sich bald heraus grüner geht es gar nicht.

Jedes Mal, wenn wir in einen der großen Supermärkte einkaufen gehen, verschwindet er „nur mal kurz“ in der Pflanzenabteilung. Ruys Pflanzenabteilung, ist quasi mein Schaufenster voller Schuhe… oder kostenlose Probe an der Käsetheke, je nach dem.

Einer seiner Palmen steht direkt neben der Wohnungstür. So ein Ding, mit seinen ausladenden Blättern, kann man schon mal streifen, wenn man vollbepackt oder tollpatschig ist, wie ich. Das sollte aber lieber nicht vor Ruys Augen passieren. „Vorsicht, vorsicht! Schatz, du musst ein bisschen auf die Pflanzen aufpassen…“ Ich krieg da ja innerlich immer einen Lachkrampf, weil das für einen kurzen Moment so aussieht, als ob mein Freund sich mehr Sorgen um eine seine Pflanzen macht, als um mich.

Natürlich hat Ruy auch schon spitz gekriegt, dass ich dieses Pflanzenverhalten etwas merkwürdig finde. „Klasse!“, denkt er sich. Das gibt ihm mehr Gelegenheiten, mich zu triezen.

So kann es schon mal vorkommen, dass Ruy von der Arbeit nach Hause kommt und erst mal schnurstracks zu einer der Pflanzen läuft, um sie Blätter streichelnd und Zunge schnalzend zu begrüßen. Dann dreht er sich zu mir um und sagt „Ja…sorry Schatz, aber meine „Girls“ sind auch wichtig.“

Geil – mit 16 Pflanzen, an der Zahl (und ich möchte anmerken, er hört nicht auf zu kaufen) – lebe ich nun mit meinem Freund, dem Pflanzenversteher, und seinen 16 Bitches zusammen auf 80 Quadratmeter.

Mittlerweile hat sich der „Girls-Joke“ bei uns etwas gelegt. Ruys übertriebene Fürsorge jedoch nicht. Kürzlich, an einem unverplanten Sonntag, haben Ruy und ich entschieden, mal so einen richtigen Hausputz zu zweit zu machen. Keine Ecke sollte ausgelassen werden. Auch eine der Palmen musste dran glauben. Da sie so verstaubt war, schlug ich Ruy vor, ich würde sie in der Dusche abbrausen. „Ok, aber warte ich erkläre dir wie.“, war seine Antwort und „Oh – mein – Gott“ war mein Gedanke.

Fälschlicherweise, bin ich trotzdem davon ausgegangen den Übertopf der Pflanze entfernen zu müssen. Der Topf, war geflochten aus einer Art Bast. „So etwas sollte nicht nass werden“, dachte ich mir. Also versuchte ich vorsichtig die Pflanze und den inneren Plastiktopf raus zuziehen. Aber es stellte sich heraus, es gab keinen inneren Plastiktopf und alles was ich tat war die Pflanze aus der Erde zu ziehen. Zum Glück hörte ich sofort auf. Aber als ich Ruy erklärte, was mir passiert war – ging es so richtig los. „Waaas?? Wieso ziehst du an meiner Pflanze??“

Wenn die – zugegebenermaßen – berechtigten Fragen alles gewesen wären, hätte ich es ja noch nachvollziehen können. Aber in dem völlig verzweifelten Versuch „seine Pflanze vor dem Sterben“ zu retten – schüttete er kurzerhand den kompletten Kübel Erde quer auf den Wohnungsboden. (Spätestens danach hätten wir sowieso putzen müssen.) Demütig half ich ihm die Pflanze mit Erde wieder ordnungsgemäß einzusetzen und entschuldigte mich natürlich mehrfach für diese unglaubliche Schandtat. Böse Fine!

Soviel zu der Eigenart meines Freundes. Ich denke es gibt schlimmere und irgendwie ist es ja auch amüsant und schön zu sehen, dass er sich um etwas so hingebungsvoll kümmern kann.

Und wenn ich sage kümmern, dann meine ich nicht nur gießen. Ruy nimmt auch schon mal ein Wattestäbchen zur Hand und spielt „Biene“ in unserer Pflanzenoase. Von einer Blüte zur nächsten, bestäubt er dann per Wattestäbchen unsere grünen Freunde…ja, kein Scherz.

Aber ich will mich nicht beschweren – das bringt unsere Zucht von Chilischoten mächtig voran und die sind verdammt geil zum Kochen.

Ich bin mir sicher jeder von euch, könnte mir jetzt auch mindestens eine verrückte Eigenart seines Partners nennen. Sie gehören ja auch einfach dazu.

Ohne sie, würden wir die schönen Momente überhaupt nicht in dem Maß genießen können, wie wir es mit ihrer Existenz tun.

Also lass ich sie leben… die Bitches. Sehen ja auch eigentlich ganz nett aus.

Haltet die nächste Woche die Augen offen für die Eigenarten euer besseren Hälfte oder eures Mitbewohners oder der besten Freunde – und ärgert euch nicht. Meistens haben sie doch was humoristisches. Versucht zu lachen und ihren Wert zu erkennen.

Bis bald

Saludos y un besito

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