Kategorien
ARTIKEL

3.3 Nasse Sorgen trocken legen

Schnapszahl! Artikel Nummer drei im dritten Jahr von Handkäs unter Palmen.

Kürzlich hatte ich mal wieder einen dieser Tage an dem alles nicht so recht hinhauen wollte. Es war ein Tag der von Lustlosigkeit und Trägheit lebte. Ich schleppte mich so durch und alles was ich tat, ob Arbeit oder Vergnügen, wurde von einem lauten Seufzer begleitet.

Ich stieß mir das Schienbein an der Badewanne, verfeinerte meinen Milchreis mit Salz und musste zur guter Letzt auch noch feststellen, dass meine Waschmaschine das Wasser nicht mehr abpumpte.

Als ich auf den Knien in der Küche rumrutschte um vorsichtig das Flusensieb der Waschmaschine zu reinigen, bemerkte ich, nicht minder überrascht, wie selig mich diese Waschmaschinenproblematik stimmte. Hätte ich nicht super genervt sein müssen?

Da wurde mir klar wie sehr mir solche Momente helfen. Wenn die Spitze des Eisbergs erreicht ist und einem nichts anderes mehr übrig bleibt, als sich um das Problem zu kümmern, welches sich offenbart, hat sich das für mich Blatt gewendet. Die Option auszuweichen und das Problem einfach unter den Teppich zu kehren verschwindet hier.

Ich bemerkte wie sehr diese Art von Problemen zum Handeln bewegen. Sie verlangen sofortigen Tatendrang. Da stellte ich mal wieder fest, Probleme einfach angehen und versuchen sie zu bewältigen tut verdammt gut.

Wenn alle unsere Probleme ein verstopftes Flusensieb wären – madre mia – wie wir unsere Leben anpacken und lenken würden.

Wie oft sind Probleme aber keine kleine Misere, die etwas handwerkliches Geschick verlangt. Es sind nur Gedanken, Sorgen und Ängste, die man eben mit sich herumträgt. Zu groß, um sie zu vergessen, zu klein, um sie mit dem Umfeld zur gemeinschaftlichen Lösungsfindung zu teilen.

Wie gut mir aber meine pitschnasse Wäsche getan hatte! Wie schön ein Problem, so unangenehm es auch ist, einfach aus der Welt zu schaffen und wie stolz man doch ist, während man es tut.

Vielleicht müssen wir einfach alle Probleme als verstopfte Flusensiebe betrachten – ganz ungeachtet, ob wir es tatsächlich schaffen sie zu lösen. Hauptsache man packt es an und stellt sich die Dringlichkeit einer vollgelaufenen Waschmaschine vor.

Denn was ist es was wir eigentlich heutzutage tun mit Problemen? Wir resignieren doch die meiste Zeit – so ist es nämlich. Wir lassen die Sorgen und Ängste einfach mit uns sitzen, auch wenn wir ihre Anwesenheit als absolut lästig empfinden. Wir lassen sie bei uns sitzen und ignorieren sie einfach so lange wie wir können. Dafür nehmen wir uns unsere Freunde Netflix, Wein und belanglose Gespräche zur Hilfe. Hauptsache wir werfen keinen Blick auf die Sorgen für eine Weile.

Wenn es dann mal still um uns ist für einen Moment, melden sie sich wieder und zwar so lange bis wir wieder Ablenkung gefunden haben. Wirklich funktionieren tut das aber nicht – jedenfalls nicht für mich. In meinem letzten Artikel 3.2 Dreiklang im Einklang, spreche ich davon, dass man andere Taten tun muss, wenn man ein anderes Ergebnis will.

Da diese Form von Problembewältigung heutzutage für mich nicht zu funktionieren scheint und ich gerne ein anderes Ergebnis hätte, werde mich nun jedes Problemchen mal zu einem dringlichen, dringlichen Flusensieb machen und schaue es mir direkt an.

Klar ist auch das kurz unangenehm, aber wenn ich ehrlich bin würde ich jedes Mal wieder diesen kurzen Moment der Lustlosigkeit einer verstopften Waschmaschine vorziehen.

Meine Maschine läuft nun wieder und das heißt für mich: Jedes direkt angepackte Problem, ist immerhin keines mehr was mich vom Schlafen abhält.

Bis bald

Saludos y un besito

La puntilla, Isleta, Las Palmas de GC
Ich freue mich über deine Bewertung!
So gehts: Für x Sterne, den xten Stern von rechts anklicken

Eine Antwort auf „3.3 Nasse Sorgen trocken legen“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

LASS MIR GERNE EINE STERNE BEWERTUNG AM ENDE DES ARTIKELS DA 🙂