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2.19 Über die vergessenen „Harten im Garten“

„Nur die Harten kommen in den Garten“ – ein deutsches Sprichwort. Relativ jung ist es. Erst im 20. Jahrhundert ist es entstanden. Sein Ursprung liegt in der Gartenarbeit, der Pflanzenwelt. Das überrascht nicht weiter.

Nur wirklich widerstandsfähige Pflanzen können in den Garten gesetzt werden und haben dort eine Chance zu überleben. Gespiegelt auf uns  Menschen bedeutet es so viel wie, durchhalten und Zähne zusammenbeißen. Sollten die Zeiten mal wieder schwierig werden, halten wir uns selber dazu an tough zu sein.

„Hart sein“, das heißt stark sein, auch durch schwere Zeiten mit einem Lächeln und erhobenen Hauptes gehen, sich nicht beklagen, nicht den Kopf hängen lassen, nicht über Probleme sprechen. Das macht, rein nach der Definition, unsere harten Pflänzchen aus. Die, die auch „draußen im Garten“ überleben. Die, die was durchstehen.

Ein resilienter Mensch zum Beispiel, hat für sich eine Schutzhülle im Leben geschaffen. Eine Hülle, die ihn psychisch widerstandsfähig macht, gegen Krisen und Probleme des Lebens, wie alltäglich oder außergewöhnlich sie auch sein mögen. Ja, Resilienz ist eine feine Sache. Allerdings ist ein „harter“ Charakter sehr häufig viel mehr als nur resilient. Er ist oft einsam mit seinem Schmerz und seinen Problemen. Er mag es nicht sich zu beklagen und meint für immer „hart“ sein zu müssen.

Wie alles also im Leben, hat auch diese Medaille zwei Seiten. Einer „der Harten“ zu sein, bringt nicht immer nur Licht und Fülle mit sich. Es bedeutet auch viel Einsamkeit und Anspruch an sich selbst.

Einmal stark aufgetreten, zweimal Durchhaltevermögen gezeigt, dreimal strahlend aus einer schweren Situation getreten – schon gilt man als einer „der Harten“.

Andere sehen das so und man selbst tut es auch. Das ist der Trugschluss. Man lässt sich nichts anderes mehr durchgehen, als ein starkes Auftreten. Damit schirmt man sich einerseits natürlich ab vor Fragen, Mitleid und der Gefahr in Abhängigkeit zu geraten, andererseits verschließt man sich aber auch vor Unterstützung, Erleichterung und neuen Lösungsansätzen.

Das Umfeld vergisst ganz automatisch, dass auch einer „der Harten sein“, viel Kraft und Energie abverlangt und Unterstützung eigentlich immer gut und hilfreich ist, auch wenn nicht laut nach ihr verlangt wird.

Unsere moderne Gesellschaft hilft uns nicht dabei. Auch nicht die Digitalisierung. Wir lernen ja nun noch mehr zu faken und die perfekte Maske zu tragen.

Schnelllebigkeit, Perfektionismus, Leistungsdruck – all das fördert in uns allen hart sein zu wollen und lächelnd Themen abzunicken, auch wenn das vielleicht nicht die ehrlichste Reaktion ist.

Ich glaube, sie werden oft vergessen, „die Harten im Garten“. Einmal den Eindruck gewonnen, geht man unterbewusst davon aus: Sie schaffen jede Krise. Man macht sich weniger Sorgen um stark auftretende Menschen, das ist ganz menschlich und normal.

„Die Harten“ selber lächeln häufig alles weg. Ein Schnitt ins eigene Fleisch und doch können sie nicht anders. Sehen sie die Unterstützung, die andere erhalten, ärgern sie sich und fühlen sich vielleicht sogar benachteiligt, weil ihnen das nicht direkt in der Form angeboten wird. Das liegt aber daran, dass man nicht davon ausgeht, dass sie es brauchen. Sie werden für die eigenen Bewältigter ihrer Probleme gehalten, da sie in der Vergangenheit noch nie um Unterstützung oder Hilfe gebeten haben.

Nicht immer leicht so eine Stärke. Es kann wie eine Mauer sein. Als Außenstehender hat man das Gefühl, man bekommt gar nicht wirklich die Gelegenheit zu helfen. Nichtsdestotrotz, das Sehen und Fragen reicht schon. „Die Harten“ wollen manchmal nur wissen, dass sie nicht vergessen und immer noch gesehen werden, auch wenn sie die angebotene Hilfe nicht in Anspruch nehmen.

Im Grunde ist es egal welche Pflanze man ist. Manche Pflanzen verlangen viel Pflege, andere brauchen nur nach schweren Unwettern Unterstützung.

Schön ist es zwar, wenn man der starke Baum im Garten ist. Aber selbst der größte Baum braucht ab und an sonnige Umstände und ein gepflegtes Umfeld, sonst geht auch er kaputt.

Sie werden sich nie ändern, die stolzen Bäume, aber am Ende sind wir alle aufeinander angewiesen. Deswegen lasst uns nicht die „Harten“ vergessen und empathisch bleiben, auch wenn sie „stolz und stark im Garten stehen“.

Bis bald

Saludos y un besito

La Fortaleza, Gran Canaria
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