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2.18 Warum wir Filme brauchen

Wir wissen alle was es heißt, sozialisiert zu sein, zivilisiert zu sein. Wir werden alle mit dem Wissen groß gezogen, dass wir Teil eines Ganzen sind. Einer Gesellschaft, in der gewisse Regeln und Gepflogenheiten gelten, sodass ein friedliches, respektvolles Zusammenleben möglich ist.

Das ist die Theorie.

Warum aber feiern wir dann all diese Filmhelden, die genau das Gegenteil zu ihrer Aufgabe machen – nämlich aus sozialen Strukturen und gesellschaftlichen Verhaltensmustern auszubrechen? Die, die den etwas anderen Weg einschlagen, mal etwas wagen, alles auf eine Karte setzen und ganz ohne Sicherheiten agieren.

Am liebsten haben wir die porträtiert, die ganz anders sind, als alle anderen, die die gegen den Strom schwimmen.

Familie Corleone (Der Pate), Jackie Brown (Jackie Brown), Jordan Belfort (Wolf of Wallstreet), Erin Brockovich (Erin Brockovich), Walter White (Breaking Bad), Leigh Anne Tuohy (Blind Side) – sind nur ein paar Beispiele aller unzähligen Filmhelden, die alle auf ihre ganz eigene Art und Weise besonders sind.

Ob sie echte Charaktere sind oder fiktiv, spielt im Grunde genommen keine Rolle. Fakt ist, sie sind alle menschlich, wie du und ich. Sie haben die gleichen Bedürfnisse und Ängste wie wir auch. Deswegen können wir uns auch mit ihnen identifizieren, auch wenn wir nicht Teil einer Mafia Familie sind oder einen obdachlosen Jugendlichen in unsere Familie aufnehmen.

Egal ob diese Helden ihre kriminellen Machenschaften treiben oder sich über die sozialen Ansichten und Meinungen anderer hinwegsetzten – eins haben sie alle gemeinsam – sie werden von uns bewundert.

Sie machen uns Gänsehaut, wir haben Respekt vor ihnen, wir hoffen insgeheim, wir wären mal so abgebrüht und cool. Und warum ist das so?

Ich glaube wir werden mit allem in uns geboren. Alles was unsere wahnwitzigen Moviehelden tun, steckt im Grunde auch in uns. Wir verstehen alle den Drang danach Verbotenes oder Außergewöhnliches zu tun. In hitzigen Momenten kocht in uns auch manchmal etwas hoch, was wir so von uns nicht kennen und gefährlich nah an einer Wesensveränderung kratzt. Aber die meisten von uns werden von ihrem sozialisierten Ich in Zaum gehalten und wieder zurechtgerückt. Die sozialen Normen gewinnen in der Regel den Kampf in uns, auch wenn in jedem das Potential zu allem und jedem steckt. Aus jedem Baby kann genauso gut ein Mörder, wie ein Staatsanwalt werden, vielleicht sogar beides.

Durch Sozialisation, Erziehung, Umfeld, Bildung versuchen wir einen guten Menschen zu formen. Das gelingt auch in den meisten Fällen. Bei den einen mehr, bei den anderen weniger.

Demungeachtet, grundlegende, menschliche Bedürfnisse sind bei allen gleich. Genau wie diese fundamentalen Triebe, die jeder Mensch in sich trägt. Das sind Wünsche, Vorlieben, Reize, Geheimnisse, die wir keinem anvertrauen mögen, weil sie eben nicht passen zu unserem sozialisierten Ich.

Sie würden in unserer zivilisierten Gesellschaft nicht gut ankommen. Die Menschen, die damit offen umgehen, man sieht es an unseren Filmhelden, sind oft Einzelgänger oder „tanzen aus der Reihe“. Weil wir Herdentiere sind und dazu gehören wollen, leben wir vieles nicht aus oder halten es vor Blicken anderer fern.

Genau dafür lieben wir unsere Filmhelden. Weil sie tun können, was den meisten von uns verwehrt bleibt, weil sie den Schritt gehen, von dem uns das soziale Regelwerk abhält. Sie haben den Mut und den Wahnsinn in sich, zu tun was sie wollen, auch wenn das nicht der „Norm“ entspricht. Sie stehen und agieren symbolisch für unsere inneren Verlangen und Geheimnisse und dafür lieben wir sie.

Ab und an braucht es mal so einen Charakter, der seine eigenen Regeln schreibt, um uns alle zu erinnern, wir sind eben keine Maschinen. Wir können sowohl auf die eine, wie (leider) auch auf die andere Seite ausschlagen.

Und so unsozialisiert das auch sein mag, es ist menschlich.

Deshalb brauchen wir Filme, Bücher und Geschichten, ganz gleich ob wahr oder fiktiv. Das geheime Ich, dass wir alle in uns tragen, wird durch ihre Protagonisten verkörpert und ausgelebt und dafür empfinden wir vor allem eines: Dankbarkeit!

Bis bald

Saludos y un besito

A pink sky…like in the movies. Las Palmas de Gran Canaria
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