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2.15 Wenn Ich das Wir ablöst

Willkommen, willkommen zu Artikel Nummer 15 im zweiten Jahr von Handkäs unter Palmen.

Ich habe kürzlich einen Artikel* gelesen. Thematisiert wurde das Single-Dasein und wie sich sein negativ behafteter Ruf vom „einsamen Alleinstehenden“ mehr und mehr hin zu einer bewussten, glücklichen Lebenseinstellung entwickelt.

Laut einigen Studien entscheiden sich immer mehr Menschen jeglicher Altersklasse aktiv dazu, allein zu leben. Nicht weil sie das Daten oder Zusammenleben satt haben, sondern einfach weil es ihnen gefällt.

Und plötzlich war er da wieder – dieser herrliche Moment des Erwachens, wenn einem die Augen geöffnet werden.

Einzig und allein unsere eingespielten und verbreiteten Gesellschaftsstandards machen die Entscheidung zu einer Partnerschaft nämlich zu einer korrekten und die Entscheidung zum Leben ohne feste Partnerschaft zu einer falschen, seltsamen oder sehr fraglichen.

„Mit der/dem kann ja was nicht stimmen“.

Je älter man wird, desto schlimmer wird es doch. Mitte Vierzig – allein auf der Familienfeier. „Ach Mensch aber warum findest du denn keine(n)…?“

Gegenfrage: Warum? Ist das wie ein Schulabschluss? Brauche ich das, um in einer zivilisierten Gesellschaft überleben zu können?

So viele Menschen schreien gerade auf. Corona Krise! Restriktionen! Ich will keine Impfung! Ich will endlich meine Impfung! Menschen fühlen sich eingesperrt, kontrolliert.

Aber dass uns seit Jahr und Tag gesellschaftliche Konventionen beeinflussen und lenken, das hat bisher keinen interessiert. Das hinterfragt keiner. Dabei beruhen so viele unserer Ansichten, einzig und allein auf allgemeingültigen sozialen Denkmustern. Die nehmen wir einfach so für uns an! Die wenigsten denken mal „outside the box“. Wir richten unsere Lebensziele und –planung nach ihnen, ohne zu erforschen, was wir eigentlich selber wirklich wollen und ob das ok wäre gegen den Strom zu schwimmen.

Es gibt einen gesellschaftlichen Standard. Der hat sich über lange Zeit entwickelt. Er hat seine Wurzeln sicherlich in der Evolution und befindet sich auch immer noch in einem stetigen Wandel. Trotzdem macht er stutzig.

Ein Standard, der besagt, dass einen Partner zu finden, eines der Lebensziele eines JEDEN Menschen ist.

Schaffst du es nicht, deinen Seelenverwandten ausfindig zu machen, bist du gesellschaftlich nicht die „Norm“, irgendwie andersartig. Wieso hinterfragt eigentlich keiner diese Stigmatisierung?

Nun fragt ihr euch vielleicht – warum ich über das bewusst entschiedene Single-Dasein spreche, wenn ich doch in einer Beziehung stecke. Ob ich da raus will? Nein. Natürlich nicht.

Ruy und ich haben uns beide nicht gesucht aber trotzdem gefunden. Ich denke das war eine glückliche Fügung. Wir sollten uns in Peru auf einem Berg über den Weg laufen. (s.a. 3.Wo alles begann)

Fakt ist, wir haben aktiv die Entscheidung getroffen eine Beziehung zu führen, weil wir uns glücklich machen.

Und genauso – ich möchte mal wieder an unser gesellschaftlich definiertes „normal“ appellieren – sollte es auch für jeden Einzelnen möglich sein, ohne Verurteilung, sagen zu können, ich lebe bewusst ohne eine Partnerschaft, glücklich!

Deswegen ist man nicht einsam oder ständig auf Suche. Man ist mit sich selbst im Reinen und erfüllt.

Diese oft betitelten „self-partnered“ Personen, haben meiner Meinung nach jedem Menschen in einer Beziehung etwas voraus.

Sie warten nicht oder suchen verzweifelt nach dieser einen Person in ihrem Leben, die ihnen endlich einen Sinn gibt. Sie genießen den Frieden und die Freiheit, die sie als Single haben und das Schönste an der Sache ist, sie wissen, wie sie diesen Zustand selbst kreieren.

Wie wachsen wir denn auf? Mit dem Wissen, dass wir einen Partner finden müssen, denn dieser gibt uns Liebe und Treue und Halt und ohne ihn fehlt ein Leben lang etwas. So lernen wir es.

Natürlich ist es fantastisch in einer funktionierenden Beziehung zu stecken, die einen erfüllt und glücklich macht!

Diese kann man aber auch mit sich selbst führen, mit Freunden und Familie und mit seiner Arbeit.

Nur konventionelles, traditionelles Denken und gesellschaftliche Stigmatisierung reden uns ein, nur mit Partner sei man vollständig.

Warum ich diesen Artikel und seine Botschaft so fantastisch finde? Weil ich Ruy und mich auch darin wieder gefunden habe.

Wir haben ein unübliches Beziehungskonzept

  1. Führen wir eine Fernbeziehung und
  2. sind wir auch total glücklich damit.

Das kreiert dann und wann Verwirrung.

Unser Umfeld ist immer neugierig. Wie geht das weiter mit euch? Habt ihr einen Plan? Wann zieht wer permanent zu wem?

Die Tatsache, dass wir es nicht eilig haben und tatsächlich auch persönliche Karriereschritte erst mal abwarten, bevor wir so eine große Entscheidung treffen, stößt häufig auf Verwunderung. Eine die versteckt bleibt, die nicht offen geäußert wird, aber sie ist da. Das weiß ich und verstehe ich. Ich wäre da nicht anders.

Wenn ich gefragt werde „Und wisst ihr schon wann ihr euch wieder seht?“ fällt mir immer auf, dass Ruy und ich weniger gebeutelt von dieser Frage zu seien scheinen, als es unser Umfeld ist.

Mittlerweile wissen wir, wir müssen es nehmen, wie es kommt. Wir haben viel gelernt nach ein paar Jahren Fernbeziehung. Wir haben uns eingegroovt und genießen gerade das Beste aus beiden Welten.

Werden wir ewig „auf Ferne leben“? Nein. Aber gerade tun wir es. Auch das ist eine bewusste glückliche Entscheidung, fern von der Norm, aber absolut richtig für unser Wohlbefinden.

Wenn jeder sein Ding macht, dann mit voller Hingabe. Jeder geht seiner Arbeit nach, seinen Pflichten und Zielen. Trifft Freunde und Familie und kümmert sich, um diese ganzen anderen fantastischen Menschen im sozialen Umfeld. Man lebt mal wieder für eine Weile allein in seiner Single Bude (s.a. 2.9 Haushaltshybrid) und, so politisch inkorrekt das jetzt für manche klingen mag, wir genießen es.

Nur althergebrachte gesellschaftliche Gepflogenheiten, mit denen wir alle aufwachsen und leben, legen auf unkonventionelle Konzepte einen Schatten, machen es zu etwas „andersartigen“, was man sich erst mal „erklären“ lassen muss.

Momentan haben wir das Beste aus beiden Welten… und das Leben ist was man draus macht, oder nicht?

Also lasst uns applaudieren für die mutigen „Gegen-den-Storm-Schwimmer“, dass sie ihre Entscheidungen outside the box treffen und nicht, weil es doch so sein muss.

Bis bald

Saludos y un besito

*[psychologie bringt dich weiter, januar/februar 2021]

Blick auf den Roque Bentayga, Gran Canaria

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