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2.13 Das Recht auf Beschweren

Beschweren… Das tun wir alle. Viel oder wenig. Laut oder leise. Nur im Kopf oder hörbar für die breite Masse. Egal in welcher Form und Farbe – aber wir tun es alle. Die einen mehr die anderen weniger.

Tatsächlich ist meine Überzeugung, dass wir Deutschen angefixt durch unseren Perfektionismus, unsere Zielstrebigkeit und unseren Ehrgeiz schon eher mal zum Beschweren neigen. Unsere „Verbesser- und Korrigiermentalität (was übrigens nichts Schlechtes ist), verleitet uns doch viel eher mal dazu, das Haar in der Suppe zu finden oder gar zu suchen.

Ich bin der Meinung, wir beschweren uns schon gerne. Die Menschheit allgemein, aber ich als Deutsche kann mir auch das Recht rausnehmen zu behaupten, dass wir Deutschen es schon auch lieber als andere tun. Ich kann nur auf Artikel 6.Lieber Zufriedenheit, als Profit aufmerksam machen, in dem ich über den Müßiggang du die Grundzufriedenheit spreche, die die kanarische Kultur ausmacht.

Beschweren… An sich ist dieser Vorgang, dieses „Tu-Wort“, doch ein ganz normaler Bestandteil unseres menschlichen Seins. Im Grunde genommen tun wir es jeden Tag. Ganz oft allerdings nur auf eine subtile Art und Weise. Es kann sich durchaus nur leise im Kopf abspielen oder sich in einem simplen Seufzer äußern. Es können klitzekleine Sachen sein, die uns unzufrieden stimmen:

Zum Beispiel, dass Hausmitbewohner den Müll nicht richtig trennen oder die Supermarktmitarbeiter keine zweite Kasse öffnen.

Es kann sich in zwischenmenschlichen Beziehungen abspielen, wenn der Sohnemann mal wieder das Zimmer nicht aufgeräumt hat oder der Freund meint den Staubsauger nicht identifizieren zu können.

Natürlich sind es aber ganz oft auch bedeutungsschwere politische Vorgänge, gar persönliche ausweglos erscheinende Lebenslagen oder private Empfindungen, aufgrund deren wir unsere Beschwerden formulieren.

Beschweren… Es bedeutet, etwas belastet uns, es drückt, es ist schwer, es ist lästig. Dem wollen wir Luft machen, also klagen wir. Alleine oder in Gesellschaft. Am liebsten natürlich in Gesellschaft, denn genau wie witzige Momente oder Genussmittel, schmeckt es einfach besser „mit Publikum“.

Ich weiß nicht wie es euch geht, ich persönlich empfinde es als sehr unangenehm, wenn man einen unbekannten Menschen in seiner Nähe permanent vor sich hin beschweren hört. Sei es weil die Schlange so lang ist oder sie panische Angst besteht von einer Kellnerin übersehen zu werden.

Ich frage mich in solchen Momenten immer (übrigens auch mich selbst, wenn ich dasselbe Verhalten an den Tag lege):

„Was bringt das jetzt?“

Wenn du etwas ändern kannst, tu es! Versuch es!

Wenn nicht, wenn es tatsächlich einer dieser wenigen Gegebenheiten im Leben ist, auf die man wirklich absolut keinen Einfluss nehmen kann, dann nimm sie als solche an und verbreite keine dicke Luft und konvertiere die Personen um dich herum nicht in peinlich berührte Menschen!

Beschweren… Natürlich hat jeder das Recht dazu. Dennoch, und jetzt spreche ich meine persönlich Meinung dazu aus, nur bis zu einem gewissen Punkt.

Beschwerden äußern verstehe ich in Situationen, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind und denen wir kein direktes Ende setzten können.

Beschwerden äußern verstehe ich Situationen, in denen uns der Kontrollverlust an Armen und Beinen packt und wir so eingeschränkt werden, dass wir nicht den Umschwung herbeiführen können, den wir uns wünschen.

Beschwerden äußern verstehe ich in Situationen, wo uns die Ressourcen oder die Möglichkeiten fehlen etwas zu ändern.

In solchen Situationen, verstehe ich das Beschweren, denn dann ist das die einzige Form für uns zu handeln und unserer Unfähigkeit Veränderung herbeizuführen Luft zu machen.

Demgegenüber steht die Wahrheit, dass die meisten Gegebenheiten in unserem Leben, solche sind, an denen wir tatsächlich etwas ändern können. Eigentlich fast alles in unserem Leben können wir beeinflussen.

Genau da hört für mich das Verständnis des Beschwerens auf. Hier nimmt der Freiraum, nennen wir es frech „das Recht“ des Beschwerens, ein Ende.

Veränderung ist mühevoll und in den meisten Fällen ist das nämlich das eigentliche Problem.

Wir müssen Einsatz zeigen, wir müssen uns trauen und wahrscheinlich hart arbeiten, wenn wir etwas neu gestalten wollen. Um einen Umschwung herbeizuführen, müssen wir an uns selber arbeiten und das ist anstrengend.

Demungeachtet verbraucht der schlaue moderne Mensch von heute dann allerdings lieber kostbare Energie beim Beschweren. Er steckt Energie in die „Suche vom Schuldigen“. Jemanden, auf den man die Verantwortung wälzen kann.

Allerdings liegt diese in 90% der Fälle bei uns selbst und das wollen die Meisten nicht wahrhaben.

Den Freiraum zum Beschweren räume ich deswegen mir selber und anderen ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr ein.

Wenn man etwas ändern kann, tu es! versuch es!

Wenn es außerhalb deiner Möglichkeiten liegt, dann akzeptiere den Kontrollverlust und die Ungewissheit, und spare dir deine wertvolle Energie.

Lenke sie lieber in andere Dinge. Dinge in deinem Leben, die tatsächlich formbar sind und erfreue dich dieses Einflusses.

Beschweren… Es hat einfach keinen Platz mehr in einer modernen Welt wie dieser, wo wir einen Haufen von Ressourcen zu Verfügung haben, die wir einsetzen und nutzen können, um uns die Lebensumstände zu schaffen, die wir uns wünschen.

Fazit: Wenn du etwas an der Situation (aus eigener Kraft) ändern kannst, hast du nur bedingt das Recht dich permanent zu beschweren!

Also, das nächste Mal, wenn wir „das Opfer“ unseres eigenen Lebens spielen und uns beklagen: Arsch hoch und VENGA!

Bis bald

Saludos y un besito

Playa Montaña Arena, Gran Canaria
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Eine Antwort auf „2.13 Das Recht auf Beschweren“

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