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2.8 Der echte Wahnsinn steht uns erst noch bevor

Nun ist Fasching – beziehungsweise der Gedanke daran – irgendwie schon wieder Schnee von gestern. Es ist vorbei. Die Zeit ist vorüber. Seine Nicht-Präsenz hat kurz geziept, doch jetzt sind wir schon wieder an dem Punkt angelangt, wo wir auf das nächste Jahr blicken.

Dieser Trick ist so alt, wie er geläufig ist. Auch wenn er in der Regel ohne jedes Bewusstsein angewendet wird:

Wir sind voller Vorfreude,

wir erleben (oder dank Corona eben nicht),

wir sind traurig, wenn es vorbei ist

und dann beschwichtigen wir uns mit „war ja nicht das Letzte mal“.

Auch Ruy ließ ein Kommentar fallen, der mich auf ein mögliches „Problem“ aufmerksam machte. Wohl eher einen bald eintretenden Zustand:

„Dieses Jahr zählt nicht. Man konnte carnaval nicht feiern. Aber nächstes Jahr… da wird es richtig abgehen. Die Leute werden wahrscheinlich total ausrasten.“

Und so wird es wahrscheinlich sein. Unser Leben AC – After Corona – steht uns bevor und die Menschheit kann es nicht abwarten.

Allerdings muss man nicht auf nächstes Jahr Fasching warten, um Zeuge von hochemotionalen menschlichen Verhalten zu werden. Das wird schon ganz bald passieren.

Im Grunde fing es schon an: Die Frisöre durften in Deutschland nach einer langen Pause wieder öffnen. Alle freuen sich, als wäre Weihnachten. Frisöre erleben jetzt gerade ihr Hoch. Sie sind das, was die Super- und Drogeriemärkte für uns das ganze letzte Jahr waren.

Der Lichtblick in der Woche. Der Ort, wo man mal wieder kurz unter Menschen kommt. Das Highlight des wöchentlichen Spannungsbogens.

Die gemütlichen Hosen werden gegen eine steife Jeans eingetauscht, man legt Parfum auf und geht zum Frisör, um sich mal wieder besonders zu fühlen und sich -ohne Bedecken- von einer fremden Person anfassen zu lassen. Ach wie herrlich.

Wie soll das erst werden, wenn die Restaurants wieder öffnen? Ich weiß wie. Die Menschen werden die Lokalitäten stürmen, als wären es Festivalwiesen.

Den Menschen plagt das nie enden wollende, unangenehme Gefühl, er würde etwas verpassen. Wir haben es, wenn wir eine Party früh verlassen und wir haben es in Zeiten von Corona.

Und ein Mensch, der denkt er verpasst, will aufholen. „Mir wurden 2 Jahre meines Lebens gestohlen!“, denkt sich der Otto Normalverbraucher.

Wir werden es sehen können, verlasst euch drauf. Wir werden volle Flughäfen erleben und lange Schlangen vor der Kinokasse, vollbesetzte Restauranttische und überlaufene Straßenfeste.

Es besteht uns eine verrückte Zeit bevor. Und anders, als die verrückte Zeit, die wir jetzt gerade erleben, wird sie geprägt sein von Fülle, Leidenschaft und Konsum.

Schluss mit Verzicht und Distanz. Es will aufgeholt werden, was uns so lange versagt blieb.

Wir leben im 21. Jahrhundert und sind verwöhnte Wesen.

„Dach überm Kopf und warme Mahlzeit im Bauch“ – reicht dem modernen Mensch von heute einfach nicht mehr. Es stellt nicht ausreichend zufrieden. Man will entertaint und geschockt werden, man will berauschende Gefühle und das am liebsten in guter Gesellschaft.

Ein spanischer Humorist warnte schon mit voller Ernsthaftigkeit (aber einem zwinkernden Auge) vor den möglichen Überdosierungen, die auf uns zukommen werden.

Ihr lieben Leute da draußen, bitte holt nicht die Drogen- und Genussmittelmengen bei dem nächsten Rave oder der nächsten Party nach, die ihr in den letzten 12-24 Monaten verpasst habt!

Warum rede ich jetzt schon darüber? Weil wir es alle denken.

Das „Corona-Kennenlern-Jahr“ ist vorüber. Wir befinden uns nun in der Bekämpfung, der „Wir-kriegen-es-wieder-unter-Kontrolle-Phase“. Wir haben nun Werkzeuge in der Hand und fangen an sie gezielt und geschickt einzusetzen. Das lässt uns ausgehungerte, soziale Wesen vermuten, dass diese Bemühungen wohl irgendwann Früchte tragen werden. Also fängt unsere Vorfreude an zu wachsen. Und sie wird sich mit jedem Monat weiter steigern.

Wir werden wieder voller Vorfreude sein,

dann werden wir erleben (trotz Corona!).

Wir werden auch wieder traurig sein, wenn es vorbei ist,

uns aber beschwichtigen, dass es ja nicht das letzte Mal war!

Ganz bestimmt…

Aber nur, wenn wir die Lehren der Pandemie nicht vergessen.

Bis bald

Saludos y un besito

Hobby Fischer auf dem Weg zu Montaña de la Arena

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Eine Antwort auf „2.8 Der echte Wahnsinn steht uns erst noch bevor“

Ein toller Artikel, voller Wahrheiten. !!
So sind wir Menschen….. und manchmal ist es ja auch ein Glück, dass wir dazu in der Lage sind negative Erfahrungen einfach zu verdrängen oder besser noch zu vergessen. ……

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