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2.6 Eine neue Wertigkeit

Der Mensch ist ein mächtiges Wesen. Fälschlicherweise, denken wir bei Zeiten, wir sind DIE mächtigste Kraft dieser Erde, aber das sind wir nicht. Klima, Natur, Wetter, Pandemien- all das hat uns fest in der Hand und bevor wir das in Griff bekommen, gar kontrollieren können, müssen wir uns schlicht und ergreifend einfach anpassen.

Die Corona Krise hat viele Ansichten und Dynamiken in ein anderes Licht gerückt.

Jetzt nach einem guten Jahr Leben mit der Pandemie, blicken viele von uns zurück. Es war ein langes Jahr. Vieles ist passiert und einiges hat sich verändert.

Aufgrund des wirtschaftlichen Stillstandes, mussten viele von uns das Hamsterrad der Gesellschaft verlassen. Manche nur temporär, für andere ist dies ein noch andauernder Zustand. Man ist gezwungen einen anderen Sinn im Leben zu finden.

Das, was unser Leben zuvor wertig erschienen ließ, waren unsere täglichen Routinen, der leistungsgeprägte Alltag und der Preis für unseren Fleiß, das Gehalt auf dem Konto.

Aufgrund neuer pandemischer Kräfte, bleibt manchen Menschen das Hamsterrad verwehrt und eine neue Lebensweise findet ihren Weg zu uns. Eine neue Form von Wertigkeit, die nichts mit Profit oder Leistungsdruck zu tun hat.

Lässt man sich darauf ein, merkt man plötzlich, dass es nicht primär das funktionierende Ich ist, das uns erfüllt und zufrieden sein lässt. Das Ich, das auf der Arbeit und im Alltag rotiert, was im gesellschaftlichen Treiben fleißig Schritt hält und sein Geld ordentlich verwaltet, um es dann für ein paar schöne neue Sachen auszugeben.

Dass ein Leben auch in einer veränderten Form eine hohe, ganz andere Wertigkeit haben kann, musste auch ich erst mal lernen. Lernen, dass auch Werte und Privilegien, wie Gesundheit, Zeit in der Natur, Freundschaft und Familie, gutes Essen und Zeit für mich, absolut zufriedenstellend, ja von hohem Wert sind.

Schon mein Leben mit Ruy mitten in der spanisch-kanarischen Kultur, hat mir einige Male deutlich gemacht, wie ausschlaggebend diese grundlegenden menschlichen Bedürfnisse sind, die sooft belächelt werden, gerade in den Profitgesellschaften des Westens.

In meinem Artikel 6.Lieber Zufriedenheit, als Profit, habe ich diesen Gedanken bereits schon mal genauer unter die Lupe genommen. Mein Fazit: Es lohnt sich umzudenken.

Zugegeben, es fiel mir sehr schwer, solang ich noch im Hamsterrad gesteckte. Aber jetzt, durch meine persönliche entschleunigte Lage, habe ich gelernt, was glücklich sein bedeutet, wenn du dich auf ein paar wirklich essentielle Dinge konzentrierst und dir nicht ein Bein ausreist, um dem „gesellschaftlichen Standard“ zu entsprechen, wenn du das gar nicht möchtest.

Es ist ein Wandel der sich bereits in den heranwachsenden Generationen abzeichnet. Sie gehen auf Klimademos und schlagen Klimacamps auf, setzten sich für mehr Gleichberechtigung ein und bieten Alltagsrassismus die Stirn. Was sie umtreibt ist nicht Leistung, Noten, Abschluss und stabiles Gehalt. Sie sind eine Bewegung, die für eine neue Denkweise steht. Sie stehen für Grundwerte ein. Grundwerte von denen Mensch, Tier, Natur – ja der ganze Planet, profitieren soll.

Auch sie haben die neue Wertigkeit für sich erkannt. Und es ist eine, die nichts mit der Ellenbogengesellschaft zu tun hat.

Eine Wertigkeit, die, aufgrund der Pandemie, in den Köpfen einiger Menschen nun angelangt. Eine Grundzufriedenheit und -sicherheit, hat eben doch nichts mit großen Karriereschritten und den „big bucks“ zu tun. Worauf wir uns stützen und verlassen können, was wir mit viel Kraft schützen müssen, ist ja schon längst direkt vor unserer Nase. Und das ist, in diesen unsicheren Zeiten, doch eigentlich eine sehr stärkende Erkenntnis.

Bis bald

Saludos y un besito

Blick von Playa de Confital auf Las Palmas City
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Eine Antwort auf „2.6 Eine neue Wertigkeit“

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