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2.5 Postkartendilemma

Jetzt haben wir den Schlamassel… Wir posten und posten und haben ganz die Postkarten vergessen. Ein echtes Postkartendilemma!

„Früher hat man die schönsten ein bis zwei Momente des Urlaubes auf einer Postkarte festgehalten und sie an Familie oder die liebsten Freunde verschickt. Heute braucht man das gar nicht mehr… es wird ja sowieso jeder Moment in Stories und Posts festgehalten.“ Das sagte eine Freundin zu mir, mit der ich mich über die dominante Rolle der Smartphones und dessen Apps im Alltag unterhalten habe.

Und so ist es. Das ist unser Postkartendilemma. Ein Sechs- bis Achtzeiler reicht uns ja gar nicht mehr. Wir (ich würde behaupten Millennials bis Generation Z) verspüren den Drang, es am liebsten alles live und in Farbe der weiten, breiten Followerschaft zu präsentieren.

Wir porträtieren mit unseren Bildern bunte Urlaube, monotone Alltage und all die Dinge, die unser Leben lebenswert machen. Egal, ob das die schicke Smoothie Bowl am Morgen oder das „Chin Chin“ am Abend ist.

Früher haben wir das nie getan. Unser Mitteilungsbedürfnis war nicht so groß oder einfach ein anderes.

Zugebenermaßen, Verhalten passt sich an und verändert sich mit der Zeit und seinen Gegebenheiten. Mit Social Media haben wir andere Verhaltensweisen entwickelt. Wir wollen nicht nur erleben, sondern auch zeigen, präsentieren, einander entertainen. Ein ganz logischer Prozess, trotzdem kein Grund es nicht mal zu hinterfragen.

Ich war ein Spätzünder. Mein erstes Smartphone hatte ich erst mit 20 Jahren. Instagram habe ich erst seit Ende 2017.

Seit dem „Stories“ einen Platz in unserem Leben eingenommen haben, ist es uns möglich virtuell mitgenommen zu werden in das Leben der Anderen und wiederrum auch den anderen Eintritt zu gewähren in Momentaufnahmen unseres Lebens.

Wie sehr sich doch diese Form von Mitteilung in unser Leben geschlichen hat.

Ich habe erst kürzlich wirklich wahrgenommen, wie anders Erleben und Leben in ein paar kurzen Jahren geworden ist. Wir machen es nicht mehr nur für uns selber. Wir wollen es jetzt teilen. Mit allen. So sind wir nie ganz weg. Wir geben regelmäßig ein Lebenszeichen von uns.

Vor allem auf Reisen haben Ruy und Ich festgestellt, dass wir diesen Drang zu posten und andere teilhaben zu lassen, irgendwie nicht leiden können. Aber er war trotzdem da, ganz eindeutig und es hat mich eine lange Zeit gekostet, mich gut dabei zu fühlen, nichts zu posten. Einfach Handy weg, keiner sieht meine wunderbare Urlaubskulisse und das ist auch völlig ok so.

Aber jede Medaille hat zwei Seiten. Richtig eingesetzt, kann es auch sehr nützlich sein. Vor allen Dingen für meinen Blog, benutze ich Social Media und seine Reichweite sehr gerne.

Sicher fühlen sich auch einige von euch gar nicht angesprochen. Ihr denkt euch vielleicht „So viel poste ich eigentlich sowieso nicht…“.  Und trotzdem weiß jeder was ich meine, wenn ich von diesem Drang oder Verlangen spreche, zu posten, etwas für die breite Masse „hochzuladen“, in schönen Momenten oder bei besonders nett dekorierten Tellern.

Wisst ihr noch wie es früher war? Leben, erleben, genießen, ohne Fotos online zu stellen? Da wurde sich nur erzählt was man am Wochenende gemacht hat oder gestern tolles gekocht hat, wie der Urlaub war oder wie der Freund den Antrag gemacht hat. Damals hat uns das auch gereicht. Wir haben uns nicht uninformiert oder weniger entertaint gefühlt.

Aber mit den Gadgets der Zeit, kommen auch neue Gewohnheiten und Empfindungen darüber, was wichtig und richtig für uns ist.

Ich stecke mittendrin und werde es auch weiterhin nutzen. Aber meine kleine mentale Zeitreise hat mir gezeigt, dass ich früher nicht vergessen mag, weil es auch so schön war, als Handys noch nicht unsere treusten Begleiter waren.

Ich für meinen Teil würde gerne aus dem Postkartendilemma wieder ein Postkartenerlebnis machen.

Wie siehts bei euch aus?

Bis bald

Saludos y un besito

Un cielo rosa en Las Palmas

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2 Antworten auf „2.5 Postkartendilemma“

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