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2.4 Nice to know

In meiner Ausbildung zur Flugbegleiterin sind die Informationen in kurzer Zeit nur so auf uns eingeprasselt.

Um für uns das absolut Essentielle verständlicher zu machen, unterschieden wir zwischen „nice to know“ and „need to know“

Alle Informationen, die wir tagtäglich verarbeiten, ob es nun in Verbindung zu zwischenmenschlichen Beziehungen steht oder zu unserer Arbeit, unterteilen wir, unterbewusst und jeder für sich individuell, in diese Kategorien.

Für Fahrkarten muss man bezahlen – need to know

Pro Jahr sterben mehr Menschen durch Sektkorken, als durch den Biss einer giftigen Spinne – nice to know

Eine nette nice to know-Geschichte, erzählte mir kürzlich auch Ruy:

Anfang des Jahres 2020, als sich Spanien im harten Lockdown befand und es nur Sportlern und Hundebesitzern erlaubt war, das Haus zu verlassen, wurde ein einzelner Mann an der Festlandküste, an einem verlassenen Strand mit einer Drohne von Polizisten aufgespürt. Er war mutterseelenallein – aber es war ein Verstoß gegen die Regeln. Also machte sich ein Hubschrauber auf den Weg und die Polizei brummte ihm eine saftige Geldstrafe auf.

Scheint unglaublich, oder? War aber so. So etwas schreckt natürlich ab und macht nachdenklich.

Ist das nun zu streng und übertrieben oder war das genau richtig? Ein Verstoß ist eben ein Verstoß, oder ist es nicht so einfach? Die Regeln als Basis mit absolut keinem Spielraum für Abweichungen? So viele Fragen – so viele Meinungen. Deutschland händelt die Corona Krise so, Spanien so. Macht es einer besser als der andere? Nein, einfach nur anders.

Auch für mich sind die Corona-Hygienevorschriften in Spanien, um genau zu sein auf den kanarischen Inseln, ein need to know, ganz klar. Schließlich verbringe ich hier viel Zeit.

Nach ein paar Wochen auf Gran Canaria habe ich nun mitbekommen, wie auch hier, über die Feiertage, die Corona Fallzahlen wieder gestiegen sind und das Ampelsystem Alarm schlägt.

Die Organisation der Hygienevorschriften, durch ein Ampelsystem (grüne, gelbe und rote Stufe) gefällt mir persönlich sehr gut. Es ist übersichtlich, es ist simpel, es ist wirksam. (Natürlich nur, wenn sich alle daran halten – das kennen wir ja).

So rutschte Gran Canaria kurz nach den heiligen drei Königen wieder von Stufe grün auf Stufe gelb auf Stufe rot. Ja, so schnell kann es gehen.

Erstaunlich für mich, ist die Maskenpflicht, die hier strikt befolgt wird, ohne Wenn und Aber. Sobald man seine Wohnung verlässt, sitzt die Maske. Auch im Treppenhaus möchte man maskenlose Kontakte vermeiden.

In einer menschenleeren Straße, nachts, um mal schnell den Hund rauszulassen, trägt man Maske.

Es ist grau und nebelig, der Strand ist so gut wie leer, aber der einsame Spaziergänger trägt Maske.

Na klar gibt es auch Ausnahmen, die gibt es überall. Aber hier gefällt mir der klare Umgang mit diesen doch so wichtigen Utensilien, der wenig Raum für Verwirrung und Diskussion lässt.

Nach anfänglicher Skepsis zu Beginn der Pandemie, ist man sich ja nun doch ganz sicher, dass die Maske sehr hilfreich ist. Am liebsten jetzt gleich die medizinische Sorte. Die „selbstgemachten Stoffverwertungen“, die ich auch nur allzu gerne und stolz getragen habe, finden nun ein Ende, so scheint es. Hier in Spanien sind sie zwar (noch) nicht verboten, allerdings hat sich, jedenfalls auf GC, das Tragen von „ordentlichen“ Masken von alleine durchgesetzt.

An der Strandpromenade fahren die Polizisten unteranderem mit Fahrrädern herum und fordern auf, die Masken aufzusetzen. Ich dachte, fälschlicherweise, alleine sitzend und lesend, dass man die Maske auch mal runter ziehen darf, aber nein.

Solang du nicht auf einem Handtuch am Strand sitzt mit vorgegebenen Abstand zu anderen Personen oder auf dem Weg bist ins Wasser, hast du eine Maske permanent zu tragen.

Auch die Restaurants hier dürfen mittlerweile nur noch draußen bestuhlen und das auch nur zu 50%. Bei meiner Ankunft, Ende Dezember, galt noch die grüne Stufe, da saß man noch zu sechst am Tisch – egal ob drin oder draußen.

Für mich ist eine der seltsamsten Reglungen, dass du deine Maske solange tagen musst, bis du dein Getränk vor dir hast. Kein Bier auf dem Tisch? Dann bleibt die Maske auf.

Rauchen am Tisch? Keine Chance.

Fakt ist, wer ein rasches Ende der pandemischen Lage möchte, darf oder sollte nicht gegen den Storm der aktuellen Maßnahmen schwimmen. Jedenfalls ist das das vermittelte Gefühl.

Ich finde es äußerst interessant zu sehen, wie andere es angehen. Manches verwundert mich, anderes bewundere ich. Aber auch die Kanaren sind ein Zuhause – das heißt für mich, auf ein Neues: informieren-akzeptieren-ausführen.

Egal wo auf der Welt, momentan sind die Corona-Hygienevorschriften einfach immer ein need to know.

Allein die Vorstellung, dass eine Maske mal wieder „optional“ werden könnte und die pandemischen Hygieneregeln in unseren Erzählungen zu nice to know-Erinnerung werden… Das wäre doch was, oder?

Ganz bestimmt schaffen wir das auch! Aus jede Menge need to knows wird Besserung und dann eine neue Normalität.

Allerdings graut es mir vor einer Normalität, in der Drohnen das neue Überwachungsmittel sind! Ay dios mio!

Bis bald

Saludos y un besito

Momentan leere Innenstadt –
Plaza de Santa Ana, Vegueta, Las Palmas de Gran Canaria

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