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2.3 Mutter Teresa Komplex

Es ist noch nicht lange her, da hat jemand, der mich nicht sonderlich gut oder lange kennt, zu mir gesagt:

„Du hast schon so nen Mutter Teresa Komplex, oder?“

In diesem Moment habe ich mich direkt angegriffen gefühlt, obwohl es die Person nicht „geschimpft“ hat und diese Formulierung, so seltsam sie auch ist, ja nun nicht direkt eine Beleidung darstellt.

Ich musste das aber erst mal sacken lassen. Ich habe es in die Hinterkammer geschoben, wo wir alle Dinge lagern, aus denen wir uns noch nicht so richtig einen Reim machen können.

Und was genau sollte das eigentlich heißen? Gemeint war wohl, dass ich eine Entscheidung getroffen hatte, die eher im Sinne des Gemeinwohls oder einem eher langfristigen, guten Zweck dienlich ist, als meinem eigenen Ego.

Als mir vor ein paar Wochen die Mutti T an Kopf geworfen wurde, saß ich in einem Burger Restaurant. Meine Entscheidung für die vegane Burger Variante, begründete ich, unteranderem damit, dass man die Nachfrage für pflanzliche Varianten auf den Speisekarten unterstützen müsste. Genau das, heimste mir den Mutter Teresa Kommentar ein. Ob das nun eine treffende Formulierung, geschweige denn, die richtige Wortwahl ist, sei mal dahin gestellt.

Aber es hat mich zum Nachdenken gebracht.

Der Kommentar war als Scherz gedacht, um mich aufzuziehen, aber ich kann daraus etwas Gutes für mich mitnehmen. Denn brauchen wir nicht gerade jetzt, eben genau so einen Komplex in uns? Mit einem Blick auf die aktuellen Coronazahlen, ist meine Meinung, ja, am besten in jedem von uns.

Wenn mir die Erinnerung an den „Mutti T Komplex“ hilft, mich einmal mehr solidarisch zu entscheiden, dann nehme ich es dankend für mich an.

Ich weiß, wie unangenehm die Corona Maßnahmen sind. Das trifft jeden auf eine individuelle Weise.

Wir geraten nun alle an den Punkt, an dem wir bewusst oder unbewusst unsere Schlupflöcher suchen. Aber gerade helfen uns diese Schlupflöcher wirklich gar nicht, so harmlos sie auch sein mögen.

Wir sind einfach so verwöhnt von unserem abwechslungsreichen Leben und den zahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten, dass es uns gar nicht in den Sinn kommt, dass aktuell jeden Kontakt zu meiden, der uns möglich ist, ein absoluter Mindestbeitrag für unsere Gesellschaft ist.

Ich habe aller größten Respekt vor dem Personal des Gesundheitswesens, denen nichts anderes übrig bleibt, diese Pandemie ernst zu nehmen, auch wenn es einige ihrer Mitmenschen offensichtlich nicht tun.

Allein aus Solidarität zu ihnen und allen anderen Berufsgruppen, die tagtäglich berufsbedingt unter jede Menge Menschen müssen, sollten wir uns so sehr zurückhalten, wie es nur geht.

Wer weiß, wo wir sein könnten, wenn jeder einmal seine innere Mutti T für drei bis vier Wochen entscheiden lassen würde.

Natürlich ist sich jeder selbst am Nächsten. Dennoch gab es noch nie eine Zeit, in der es wichtiger war, weniger an sich selbst zu denken und mehr an die anderen.

Bisschen weniger Ich, dafür ein bisschen mehr Mutti T.

Dann schaffen wir das schon.

Bis bald

Saludos y un besito

Tilos de Moya, Reserva Natural, Gran Canaria
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