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35. Wer war ich bevor…?

Ich finde es immer wieder spannend, welche Art von Mensch vor dem inneren Auge erscheint, wenn man zurück denkt an sein altes ich… bevor man Mutter war oder die Freundin von… oder der Angestellte bei…

Wir sind in einem ständigen Prozess der Veränderung. Einiges beeinflussen wir aktiv. Anderes schleicht sich auch einfach, klamm und heimlich, unangekündigt in unser Leben ein. Und das passiert öfters als wir denken.

Wir werden von unserem Umfeld geformt und gebildet, ohne unseren eigenen kontrollierenden Einfluss immer walten lassen zu können. Es passiert ganz einfach ohne unser volles Bewusstsein.

Es ist doch so: Häufig haben wir eine genaue Vorstellung davon, wie unser Leben auszusehen oder abzulaufen hat. Doch dann kommen neue Entwicklungen im Leben und damit einher Rollenerwartungen.

Die Vorstellung, die wir uns so sorgfältig zurechtgedacht haben, wird manche Male durchkreuzt und wir müssen enttäuscht einen neuen Weg einschlagen. Wiederrum manchmal, werden wir aber einfach überrascht von einer neuen Wendung in unserem Leben und dann obliegt es an uns ob wir aus der Chance etwas Positives oder Negatives für uns formen.

Und wie viele Veränderungen wir selbstständig für uns und unsere Liebsten in die Wege leiten, um unsere Lebensqualität zu verbessern, neue Türen zu öffnen oder einfach den bekannt-berüchtigten „nächsten Schritt“ zu wagen.

Alles schöne Dinge – so  spielt eben das Leben. Unberechenbar und vielseitig.

In all dieser Diversität darf aber eines nie seinen festen Halt verlieren, und zwar sind das wir selbst. Mit „Selbst“ meine ich uns, ohne die Rollen, die wir in unserem Leben spielen müssen. Rollen wie bester Kumpel, Tochter oder Elternteil, Chef oder Arbeiterbiene, Partner…

Erinnern wir uns doch mal was uns ausmacht, nur uns allein. Unsere Werte und größten Träume, sollten wir in all dem „Spirit des Vorankommens“ nicht vergessen und immer mit uns zu nehmen.

Es ist überhaupt nicht verwerflich, wenn man für einen Moment mal seine Kinder, den Partner, den Freundeskreis oder Job vergisst und sich fragt: „Wer war ich eigentlich nochmal bevor …?“

Wer bin ich, wenn ich mich nicht über xyz definiere, sondern dem folge was wirklich nur in mir ist?

An was glaube ich da? Was ist mir eigentlich wichtig? Was ist mein wirklich echter Charakter, wenn ich in keiner meiner Rollen stecke?

Und am aller wichtigsten: Wo und wann in meinem Leben könnte ich nur mir und meinem Selbst mal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit schenken?

Und das bedeutet auch nicht, etwas oder jemand anderen zu vernachlässigen oder im Stich zu lassen. Im Grunde ist es langfristig gesehen das gesündeste was man tun kann. Stellen wir uns nur mal vor, das „Außen“ fängt an sich zu verändern oder vielleicht bricht es sogar weg. Währenddessen findet man überhaupt kein Halt mehr ins sich selbst, weil man eigentlich gar nicht mehr weiß wer man ohne Kind, Job oder Partner ist. Man hat sein Selbst vergessen. Da fühlt man sich erst mal verloren auf weiter Flur, oder nicht?

Definiert man sich nur über den tollen neuen Job, die prima Beziehung oder das aufregende Familienleben – hängt das Gefühl der eigenen Wertigkeit an einem ziemlich dünnen Faden. Einem Faden außerhalb unseres Selbst nämlich. Einer, der immer außerhalb unseres hundertprozentigen Einflussgebietes liegen wird.

Und wie steht es mit der Authentizität? Können wir wirklich authentisch sein, wenn wir gar nicht selber wissen wer wir ohne das ganze „Außen“ wären?

Unterm Strich, egal in welcher Form, wie schnell oder wie oft wir uns weiterentwickeln, egal ob wir dies selbst herbeiführen oder es durch einen externen Einfluss passiert, sollten wir trotzdem immer wissen wer wir sind, wenn die Rollen im Außen nicht wären.

Wer wir sind, wenn es mal nur um uns geht und uns niemand und nichts von außen sagt, was zu tun ist.

Was hätten wir als Kinder wohl auf eine Wunschliste für unser Leben geschrieben? Und wie viel haben wir uns davon erfüllt?

Bis bald

Saludos y un besito

Las Canteras am Morgen, bevor es Corona gab.
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Eine Antwort auf „35. Wer war ich bevor…?“

Ein sehr bemerkenswerter Artikel…… und so wahr. Schön, dass Du Dir Deiner eigenen Persönlichkeit so bewusst bist. Das ist sehr wertvoll! Gut, dass Du daran erinnerst dich selber nicht zu verlieren 😀

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