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33. Früher, da…

Früher, da… war alles einfacher.

Früher, da… war alles besser.

Wer kennt das nicht. Vor einiger Zeit noch, habe ich mit den Augen gerollt, wenn ich das gehört habe.

„Mein Gott“, habe ich mir gedacht, „Zeiten ändern sich eben. Gewöhnt euch dran und seht die Vorteile die wir heute haben und die es FRÜHER eben nicht gab!“

Irgendwann erreicht man allerdings einen Punkt im Leben, in dem man „die neuen Dinge“ betrachtet oder jüngere Generationen beurteilt und einem selber bewusst wird, das einem das dann früher doch besser gefallen hat und wie schön es wäre, wenn es doch einfach nur mal so geblieben wäre.

Es bleibt dabei, hier scheiden sich die Gemüter, oder in anderen Worten, die Generationen. So wird es auch immer bleiben. In einer sich ständig verändernden Welt, werden wir alle immer beide Facetten in uns tragen, die Nostalgie, sowie die Begeisterung für Innovationen und Neues.

Die Lage, in die die Corona-Krise die Menschheit gebracht hat, gibt meinen Überlegungen nochmal einen ganz neuen Wert.

Ist der Mensch an sich von Haus aus nicht sowieso schon immer sehr kritisch gewesen, zeigt die Welt jetzt mit einem schadenfrohen Finger auf ihn.

Denn jetzt können wir sehen, wie unkompliziert das Leben noch vor einem Jahr, ja vor ein paar Monaten war, FRÜHER eben…

Wenn ich die Situation aller Fernbeziehunsler da draußen betrachte, meine und Ruys Situation natürlich am detailgetreusten vor meinen Augen, weiß ich gar nicht, wie ich mich noch vor einem Jahr über vieles so aufregen konnte.

„So ein Stress, so ein Organisationsaufwand das Ganze! „

Jetzt wünschte ich, man könnte sich einfach nur wieder in einen Flieger setzten, ohne über Maske, Test und Quarantäne nachzudenken. Einfach unkompliziert.

Früher, als die Menschen voneinander noch Mimik und jedes Lächeln auf den Lippen sehen konnten, war alles unkomplizierter.

Früher, als sich Oma und Opa noch keine Sorgen machen mussten, ihre Enkelchen zu sehen, war alles unkomplizierter.

Früher, als pflegebedürftige Familienmitglieder noch regelmäßig Besuch empfangen konnten und nicht isoliert sein mussten, war alles unkomplizierter.

Früher, als man noch jedem guten Freund und Bekannten auf der Straße eine echte Umarmung schenken konnte und man Geburtstage, Hochzeiten und Beerdigungen ohne Hygienevorschriften und begrenzte Teilnehmeranzahl planen konnte, war alles unkomplizierter.

Früher, als Kinder noch problemlos betreut, Großeltern bespaßt, Existenzen noch gesicherten werden konnten, war alles unkomplizierter.

Früher, als es noch keine Pandemie ihr Unwesen getrieben hat und unser „größtes Problem“ vor einer Reise ein Visum, ein abgelaufener Reisepass oder Reiseschutzimpfungen waren, war alles unkomplizierter.

So spielt eben das Leben. Das worüber man sich früher geärgert hat, kommt einem jetzt vor wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang. Wir hätten uns schlicht und ergreifend einfach niemals erträumen lassen können, dass es mal so kompliziert werden könnte.

Ich beschreibe es bewusst als kompliziert und nicht als schwierig, problematisch oder tragisch, denn das hilft uns nicht weiter. Die Welt wird schon seit eh und je immer „komplizierter“ und wir haben bisher jede Veränderung annehmen mit adaptieren können. Mit etwas kompliziertem kann man umgehen. Etwas kompliziertes kann irgendwann zu einem Standard werden, und einfach einfach.

Die Quintessenz, die wir uns aus dieser Moral ziehen müssen, ist, dass wir trotz Schwierigkeiten und anfangs ungewollten Veränderung, uns weniger über die gegebene Situation beklagen und mehr zu schätzen wissen, was wir trotzdem noch haben. Auch Corona ist mit Sicherheit nicht die letzte, das Leben verkomplizierende Veränderung, die auf uns zukommen wird.

Ich denke wir können getrost alle in unsere Adaptierfähigkeit, in unser flexibles Handeln und die Macht der Gewohnheit vertrauen.

Hätte mir jemand gesagt, dass ich mich innerhalb von ein paar Monaten daran gewöhnt habe meine Arbeit mit Maske zu verrichten, hätte ich sicher mit dem Kopf geschüttelt.

Gefallen tut es mir zwar nicht – ich wünschte man könnte einander wieder mehr lächeln sehen – trotzdem ist die Maske ein Requisit meines alltäglichen Lebens geworden. Früher, ohne Maske, fand ich schöner, aber ich habe mich gewöhnt.

Und um den positiven Spirit aufrecht zu erhalten und nicht in Unmut zu verfallen, sollten wir uns klar machen:

Früher, da… war alles unkomplizierter, aber nicht so entschleunigt, wie heute.

Früher, da… war alles unkomplizierter, aber wir waren unseren Klimazielen nicht so nah, wie wir es jetzt sind.

Früher, da… war alles unkomplizierter, aber wir haben ohne Rücksicht auf Verluste gehandelt.

Corona war unser Warnschild und irgendwann blicken wir auf die pandemischen Zeiten zurück und sagen früher, da… mussten wir mal wieder richtig unter Beweis stellen, was Zusammenhalt bedeutet.

Bis bald

Saludos y un besito

Las Canteras

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