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32. Die unschlagbare Wirkung einer instinktiven Handlung

Man sagt, Übung macht den Meister. Doch ist das wirklich alles? Ich musste kürzlich erst wieder, auf eine „schmerzhafte“ Art und Weise, erfahren, dass das eben nicht der Fall ist. Übung und Können sind zwar schön und gut, aber es geht doch nichts über unseren Instinkt. Wie ich zu dieser alten-neuen Erkenntnis gekommen bin, erkläre ich jetzt.

Im Urlaub haben Ruy und ich mal wieder so richtig die Gemeinschaftsspiele für uns entdeckt. Da wir beide sehr ehrgeizig sein können, heizt sich die Situation gut und gerne mal richtig auf. Ich war immer der Meinung ich bin das, was man einen „guten Verlierer“ nennt. Ich dachte ich hätte mir selber beigebracht, mich einfach für den anderen zu freuen, anstatt mich zu ärgern. (Ganz hessisch eben „Bevor isch misch uffresch, isses mir lieber egal!“)  Das war mein Leben lang so, bis ich Ruy kennenlernte, der Verlieren wirklich so gar nicht gerne sieht.

Also musste ich mit ansehen, wie Ruy mich regelrecht abzockte und das nicht nur bei einem Spiel. Man muss bedenken, dass viele der Parameter bei Gemeinschaftsspielen sehr vom Glück abhängig sind, sei es das geniale (Karten-) Blatt oder der gute (Würfel)- Wurf. Trotzdem schien das Glück immer mit Ruy zu sein, so sehr ich mich auch anstrengte und versuchte immer wieder neue Strategien zu überlegen.

Ist das Glück einfach immer mit den Mutigen? Ruy hat diese Weisheit für sich und seine Art und Weise zu Spielen ein bisschen umformuliert. „Es ist ganz einfach. Du musst spielen wie ein Psychopath!“

In anderen Worten steht diese Aussage für: Trau dich alles, sei verrückt, hab keine Angst vor dem Risiko, denk nicht zu viel nach! Kurz um: Handle instinktiv!

Man könnte es einen blöden Zufall nennen oder einfach Anfängerglück, aber kaum spielte ich wagemutig und nach meinem Bauchgefühl schaute Ruy ganz schön blöd aus der Wäsche, denn er hatte sich selber einen ebenbürtigen Gegner geschaffen.

Und was soll ich sagen, es fühlte sich wirklich gut an. Gerade weil es nur ein harmloses Gemeinschaftsspiel mit meinem Freund war und keine Konsequenz daraus entstand, konnte ich mich mal so richtig auf „diese Weise zu spielen“ einlassen: Den Instinkten vertrauen und freien Lauf lassen, bevor ich im Kopf alles zerdenke.

Ich war überrascht, wie oft ich richtig lag und wie sich alles fügte, wenn ich mal was wagte.

Auch außerhalb eines harmlosen Spieleabends fing ich an, wirklich mal auf mein Bauchgefühl zu hören, anstatt dieses in meinem Kopf erst mal einer Leibesvisitation zu unterziehen und seine Vor- und Nachteile abzuwägen.

Es zeigt sich, es tut richtig gut. Denn vertrauen wir unserem Instinkt, vertrauen wir wirklich gänzlich auf uns selbst. Sobald wir die Dinge gedanklich auseinanderpflücken ist das nicht mehr unser wahres Ich, es ist unser trainierter Verstand, der die Arbeit macht und für uns entscheidet, „was richtig ist“.

Ich will nicht behaupten, es gäbe keine Szenarien, in denen sich ein gründliches Nachdenken und Abwägen nicht lohnt. Die gibt es sehr wohl. Aber das meiste verrät uns eben unser Baugefühl über uns selbst. Deswegen sollte es immer ein Faktor in Entscheidungsprozessen sein.

Ich bin froh abgezockt worden zu sein. Ich bin froh gelernt zu haben, wie ein “Psychopath“ zu spielen. Ohne diese Momente, hätte ich nie gemerkt wie sehr ich die unschlagbare Wirkung einer instinktiven Handlung vernachlässigt habe.

Mir wurde mal gesagt, dass ich gerne versuche ein „Bauchmensch“ zu sein, jedoch im Endeffekt immer wieder zum „Kopfmenschen“ zurückkehre.

Das ändere ich gerade, denn auf mein Bauch hören, bekommt mir einfach besser!

Bis bald

Saludos y un besito

Altstadt, Las Palmas
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