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27. Dankbarkeit, bist du noch da ?

Nach einer kleinen Sommerpause, die einfach mal nötig war, melde ich mich nun zurück. Momentan in Las Palmas, sitze ich in unserer Wohnung bei offenem Fenster, und laufender Waschmaschine, ein neuer Laptop vor mir auf dem Tisch. Ich frage mich, ob ihr es versteht, wenn ich euch erzähle, wie toll sich neue Tastaturen anfühlen. Das kann ja nicht nur mir so gehen?! Jedenfalls musste ein neues Gerät her und dieses macht mir das Schreiben noch schmackhafter als mein alter Schinken.

Genug davon. Mir schwirrt schon seit einiger Zeit eine Sache durch den Kopf, die mich nicht loslassen will. Angestoßen wurde sie, wie das ja meistens bei mir der Fall ist, durch ein „moving image“. Filme haben wirklich einen unglaublichen Einfluss auf mich, erst recht, wenn sie auf einer wahren Begebenheit beruhen. Das sind mir die liebsten. Der Film, der kürzlich ein Gedankenkarussell in mir ausgelöst hat, war „Suffragette“. Einige von euch wissen vielleicht, dass die Suffragetten Anfang des 20.Jahrhunderts eine Gruppe von Frauenrechtlerinnen in Großbritannien waren. Sie kämpften für das Frauenwahlrecht und  Gleichberechtigung in der Gesellschaft.

Zum einen ist der porträtierte Leidensweg der Charaktere im Film natürlich unglaublich berührend und tragisch, dennoch das schockierendste ist wohl die Auflistung aller Daten im Abspann. Quasi schwarz auf weiß: Wann und in welchem Land erlangten Frauen ihr Wahlrecht. Neuseeland ,1893 und Australien, 1902 waren mit Abstand die Fortschrittlichsten. Deutschland in 1918, „gar nicht so schlecht“, denkt man sich. Vor allen Dingen, wenn man es mit Italien, 1945, der Schweiz 1971 oder Katar 2003 vergleicht. Ganz zu schweigen von Saudi Arabien, wo Frauen erst 2015 das erste Mal wählen durften.

In mir hat diese nüchterne Aufzählung jedenfalls mächtig etwas ausgelöst und mich sehr für dieses Thema sensibilisiert. Wir alle sind uns der Ungleichberechtigung in der Gesellschaft bewusst, auch wenn schon viele positive Veränderungen stattgefunden haben. Demungeachtet ist es doch eine unbegreiflich lange Zeit, dieser Kampf. Trotz der Fortschritte – manche Länder verzeichnen mehr, manche weniger – ist der, im Vergleich zu früher natürlich zivilisierte, Kampf immer noch fortbestehend. Das ist Fakt.

Ich komme nicht umher, als eine grenzenlose Dankbarkeit für alle Frauen zu spüren, die im wahrsten Sinne des Wortes gekämpft haben und gestorben sind, damit ich, damit wir jetzt so leben können und öffentlich unsere Rechte einfordern können, wie wir es tun. Das mag jetzt banal in euren Augen sein, aber mir war es noch nie so bewusst, wie in dem Moment als der Abspann lief, dass wenn sie nicht gewesen wären, jetzt alles anders wäre.

Und das ist nur eine von vielen Geschichten. So viele Dinge haben wir unseren „Vorfahren“ zu verdanken. Grundrechte und Meinungsfreiheit. Der Fortschritt in der Medizin und Forschung, soziale Systeme, Länderbündnisse und mehr Frieden. Autos, Technologie, Elektrizität und Internet. Diese Liste ist endlos. Und sie verdient eigentlich nur eines: nämlich Dankbarkeit. Dankbarkeit für diejenigen, die den Mut hatten zu wagen und zu probieren, bis es stimmte oder wenigstens besser wurde.

Ich habe das ganze Konzept vorher noch nie auf diese Weise betrachtet. Ich denke man sieht dann doch immer eher die negativen Entwicklungen in der Welt. A lá „Das haben wir nun von der Globalisierung, das ist Coronas bester Freund.“ „All die Technologie zerstört soziale Beziehungen, Kommunikationsfähigkeiten und unser empathisches Gut.“ „Autos, Flugzeuge… wo kommen wir denn da hin? Wir steuern direkt in den Klimawandel.“

Auch das sind alles richtige Ansätze, nichts davon ist falsch und darf auch nicht vergessen werden. Ich empfinde nur – und das mag sich jetzt vielleicht auch eher auf die westliche Kultur beziehen –das Naturell des Menschen scheint eher häufiger zu einer negativen Betrachtungsweise zu neigen. Dass wir alles mehr im Maß nutzen und genießen sollten, ist ein ganz neues Thema, dass ich an anderer Stelle vielleicht mal aufgreife. Für jetzt, für diesen Artikel, möchte ich eigentlich nur für etwas Dankbarkeit aufrufen. Danke, an die Frauen, die diesen langen schmerzhaften Weg auf sich genommen haben (und es immer noch tun), danke an all die Männer, die in den Krieg ziehen mussten und danach weiter gelebt, gearbeitet und die neue Generationen aufgezogen haben.  Im Laufe unserer Geschichte passiert auch so viel Gutes, das dürfen wir nicht vergessen.

Um ein aktuelles Beispiel aufzuführen, müssen wir nur einen Blick nach Belarus werfen. Auch diese Menschen kämpfen und gehen einen harten, brutalen Weg um endlich frei leben zu können und der Unterdrückung zu entkommen. Ich bin der festen Überzeugung, ganz gleich wie lang es dauert oder was der Ausgang sein wird, zukünftige Generationen werden es ihnen danken, von ganzem Herzen.

Ein Aspekt ist nun aber noch essentiell. Auch auf meine und unsere Generationen wird einmal zurückgeschaut werden. Ich persönlich möchte, dass die zukünftige Menschheit auch sagen kann: „Wisst ihr noch die da damals? Die haben sich für uns eingesetzt, für eine bessere Zukunft gekämpft. Die haben Nachhaltigkeit, Klimawandel, Veganismus, bewussten Konsum und Fast Fashion zu ihrer, zu einer globalen Thematik gemacht.

Das wünsche ich mir für mich, für uns alle. Lasst uns die Generationen, die Menschen eines Zeitalters sein, auf die man stolz sein kann und für die in vielen Jahren Dankbarkeit empfunden wird.

Bis bald

Saludos y un besito

Guayedra, Agaete

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