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26. Nullbock-Syndrom

Wenn mich das Nullbock-Syndrom mal gepackt hat, fällt es Kopf und Bein gleichermaßen schwer dagegen zu wirken.

Es scheint ja fast unnatürlich seinen Körper aufzufordern sich zu bewegen und seinen Kopf dazu zu zwingen motiviert und energiegeladen den Tag zu planen und nächste Schritte zu durchdenken, wenn das Null-Bock-Syndrom zutage tritt.

NBS’s bester Freund ist die Müdigkeit. Wachen sie nicht schon eng umschlugen und verliebt miteinander auf, dann finden sie sich, spätestens nachdem ich NBS erlaubt habe, sich in meinem Alltag breit zu machen.

Das muss ich korrigieren, denn eine aktive Entscheidung ist das wohl kaum. Erlauben kann man es nicht nennen. Das klingt als ob ich doch noch so etwas wie Entscheidungsgewalt in mir trage, das wäre gelogen. Es ist eher so, dass man es zulässt, ohne sich groß zu wehren, wenn NBS anklopft. Dieses Syndrom steht nämlich immer dem Tatendrang gegenüber und wenn der aktuelle Tatendrang von uns fordert etwas zu tun, worauf wir keine Lust haben oder wovor es uns eventuell sogar graut, dann machen wir ja lieber NBS die Tür auf und geben dem Tatendrang einen Arschtritt.

Dann ist der Tatendrang im Keller, wir auf der Couch und NBS glücklich.

NBS nimmt sich auch immer unglaublich viel raus, finde ich. Es transformiert ja sogar Dinge, die man sonst liebt zu etwas, an das man gar nicht denken mag. Denken ist sowieso eine zähe Angelegenheit, wenn wir nullbockig sind. Warum überhaupt die Mühe? Wir sagen ja dann doch zu allem nein.

Kann man was dagegen tun? Definitiv, man könnte. Man weiß ja ungefähr wie und wann NBS entsteht. Entweder es wird aus völliger Überforderung geboren oder aus dem Glas zu viel am Abend zuvor. Es gibt bestimmt auch Ausnahmen, aber in der Regel, fällt es doch in diese zwei Kategorien.

Entweder also, man wirkt gezielt dagegen und trinkt gar nicht erst das dritte, vierte, fünfte Glas oder man zieht sich selbst aus der Misere, indem man den Tag mit strengen Deadlines voll knallt und NBS somit gar keine Gelegenheit gibt sich ausbreiten.

Ja, naja. Das nun gesagt, muss man sich aber fragen : Will man auch immer was dagegen tun? Natürlich nicht. NBS freut sich am meisten und regt uns auch am wenigstens auf, wenn wir es in Ruhe sein Ding machen lassen. Wenn kein Kind mehr versorgt, kein Partner mehr betüddelt und keine Deadline mehr erreicht werden muss, dann sollten wir NBS mit Ruhe und Soulfood füttern.

Denn es ist nichts schlimmes NBS mal ab und an ein bisschen Zeit mit uns zu schenken. Solang es nicht unser Favorit auf dem Menü des Lebens wird, ist alles fein, würde ich sagen.

Ich habe jedenfalls festgestellt, dass mir häufig große Ungeduld auf das nächste Wiedersehen mit Ruy, so über den Kopf wächst, dass das dann gerne mal in NBS resultiert.

So ganz nach dem Motto: Ich beweg keinen Zeh oder Finger mehr, bevor die nächsten zwei Wochen nicht um sind. Mir reichts.

Da spricht dann immer der Trotz aus mir. Auch ein guter Freund von dem Nullbock-Syndrom. Wenn der Leitspruch des Trotzes „Ich will aber (nicht)!“ ist, sagt NBS bestimmt regelmäßig „Was? Nein. Ich weiß nicht. Vielleicht. Lass mich.“

Aber mal schauen, was es für sich selber zu sagen hat:

„Hallo ich bin das Nullbock-Syndrom. Ich mache dein Hirn ganz matschig, wie Kartoffelbrei, sodass du nicht mehr klar denken magst. Denken ist anstrengend! Und anstrengend geht bei mir gar nicht. Generell fühle ich mich am wohlsten, wenn sich so wenig wie möglich bewegt wird. Deswegen setzte ich mich wie ein Stück Blei in deine Arme und Beine, damit du ja nicht zu oft aufstehst.

Ich drück auf jeden deiner motivierten Muskeln und Regungen, weil auf Ausflüge und Abwechslung stehe ich gar nicht. Ich mag lieber liegen bleiben und gut gefüttert werden. Deswegen signalisiere ich dir auch ständig Appetit, am liebsten auf die ungesunden Sachen.

Ich weiß ich mache dir ein schlechtes Gewissen, aber ab und zu werde ich immer mal da sein. Seh mich einfach als Bremse, wenn dir alles zu viel wird. Wenn du denkst du kannst nie aufhören, komme ich irgendwann und zwinge dich in die Knie, im wahrsten Sinne des Wortes. Du brauchst dich nicht schlecht fühlen, wenn ich dich mal gepackt habe. Ich bin in vielen Fällen die lang ersehnte Pause, die du dir redlich verdient hast!

Schlecht und unbekömmlich werde ich nur, wenn du mich gar nicht mehr loswerden willst. Wenn du nur noch rumschimmelst, fange auch ich an zu schimmeln und bin dann alles andere als eine wohlverdiente Pause, wohl eher werde ich zu einem ekelhaften, faulen Schädling der dich dein leben nicht leben lässt. In diesem Fall solltest du mir den Todesstoß versetzen – am besten geht das an der frischen Luft oder mit Bewegung, eventuell einem straffen Terminkalender. Am ehesten gehe ich aber, wenn du Spaß mit deinen Freunden hast und lustige anregende Gespräche führst, das ist mir einfach zu laut und ganz ehrlich – dann fühle ich mich auch vernachlässigt.“

In diesem Sinne ihr Lieben, nie schlecht fühlen wenn euch NBS mal gepackt hat. Auch das muss ab und zu sein!

Auch dieser Artikel ist nur entstanden, weil ich das NBS nur schwer abschütteln konnte.

Bis bald

Saludos y un besito

Las Palmas, aus dem Autofenster raus.

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