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21. La belleza del egoísmo

Oscar Wilde hat gesagt:

Egoismus besteht nicht darin, dass man sein Leben nach seinen Wünschen lebt, sondern darin, dass man von anderen verlangt, dass sie so leben wie man es wünscht.

Klingt sehr drastisch und das ist es auch. Egoismus ist keine feine Sache. Jedenfalls der Egoismus, der ausgelebt wird ohne Rücksicht auf Verluste. Handeln wir eben so, wird irgendwann unser Ego, unser einziger Begleiter.

Die Aussagen „Egoismus ist hässlich“ und „Ein gesunder Egoismus ist wichtig im Leben“ stehen sich ganz klar gegenüber. Ganz sicher, dass wir alle bereits beide Einschätzungen gehört haben. Ich selbst, bin definitiv ein Befürworter beider.

Beschäftigen tut mich die Thematik, da ich mich des öfteren selber frage, ob ich manchmal zu „egoistisch“ bin, vor allem in meiner Beziehung. „Egoistisch“ extra in Anführungszeichen, da ich nicht von Ruy verlange, so zu leben, wie ich es wünsche, lieber Oscar. Ich würde mein Auftreten als „sanften Egoismus“ bezeichnen. Es ist eher ein Eigeninteresse, welches sich einschleicht.

Mittlerweile ist der Punkt erreicht, dass es mir auffällt und es mich nervt. Ich möchte einfach keine „Ichsucht“ entwickeln, nur weil mein Freund dazu neigt, mir und den Themen, die mich beschäftigen sehr viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Ruy hat nämlich eine sehr ausgeprägte Art von Anti-Selbstinteresse. So unterscheiden sich eben die einen von den anderen. Er redet gar nicht gerne über sich, erst recht nicht über seine Probleme. Mir ist das durchaus bewusst, weshalb ich immer versuche Gespräche gezielt auf ihn zu richten und in jeden Wunden Punkt so richtig reinzubohren.

Aber genau wie ich denke, ich habe es raus, wie ich meinen Partner da hin kriege, wo ich will, hat natürlich auch Ruy seine Tricks. Und ich bin, ich kann es nicht verleugnen, sehr schwach, was das angeht. Er weiß immer, wie er die Gesprächsschwerpunkte wieder in meine Richtung zu lenken hat. Und da ich ein starkes Mitteilungsbedürfnis ihm gegenüber habe (nicht zuletzt der Distanz zwischen uns geschuldet), sowie jedes Detail zu jeder Zeit gerne erkläre oder mich rechtfertigen möchte, springe ich immer direkt auf die Plattform, die mir Ruy da bietet und das weiß er natürlich auch.

Sobald mir bewusst wird, was er schon wieder geschafft hat, ärgere ich mich über mich selbst und meinem Hang zum Mitteilungsbedürfnis. Wisst ihr zu welcher Gruppe ihr gehört?

Ein Stück weit ist Egoismus aber auch immer angebracht in unserem Leben. Ein „gesunder“ eben. Auch Oscar Wilde hat dem Thema Egoismus seine Polarität schon damals zugesprochen. So sagte er auch ganz richtig:

Sich selbst zu lieben, ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.“

Wir sind die wichtigsten Menschen in unserem Leben und auch nur uns selber können wir zu einhundert Prozent immer vertrauen. Also ist eine gewisse Eigenpflege sehr wichtig. Wie in Artikel 17. Traum, Partner, Kompromiss erwähnt, darf man eigene Träume und Pläne nicht schleifen lassen, Beziehungsstatus hin oder her.

Aber genau hier ist eben auch der schmale Grad zu finden. Dieser Drahtseilakt zwischen Selbstliebe und zu sehr mit sich selbst beschäftigt sein, welches auf Kosten des anderen geht. Wer das(noch) nicht in romantischen Beziehungen erlebt hat, dann aber bestimmt innerhalb der Familie oder mit Freunden.

Das Abwägen zwischen uns und unserer Umwelt, findet doch eigentlich ständig statt. Manchmal meistern wir es mit Bravour und gehen am Ende des Tages stolz ins Bett. „Heute habe ich mir selbst gut getan, aber auch meinen Freundinnen“, zum Beispiel.

Aber manchmal enttäuschen wir uns auch einfach im weiten Spielfeld der Selbstliebe. Es gibt Tage, da waren wir so von unserem Ego-Trip benebelt, dass wir den Wunsch nach Aufmerksamkeit von außen gar nicht wahrnehmen konnten und dann gibt es wieder Tage da fragen wir uns, was mit unserem „gesunden Ego“ passiert ist. Es schützt uns schließlich auch. Eigeninteresse und Selbstliebe sind die Faktoren, die uns „Nein!“ sagen und auch schwierige Entscheidungen treffen lassen, wenn sie am Ende aber unseren Seelenfrieden sicher stellen.

Dies ist ohne Frage eine der Szenarien, in denen Egoismus angebracht ist. In anderen Momenten, in denen wir uns, gezielt für uns entscheiden, ohne dabei anderen weh zu tun, aber einfach für unser Jetzt oder unsere Zukunft einstehen, bringt uns unser „Ego“ sogar voran. Denn treffen wir immer nur Entscheidungen mit dem Blick auf das Wohlergehen unseres Umfeldes, werden wir auf Dauer nicht glücklich.

So oft, wie wir es anderen recht machen, müssen wir es schließlich auch uns regelmäßig recht machen, oder? Wir wollen doch nicht unserer lebenslangen Romanze im Weg stehen. Das bitte nie vergessen.

Trotzdem, ich weiß nicht, ob ihr diese Momente kennt, in denen man realisiert, es dreht sich gerade sehr viel um einen selbst. „Das brauch ich gar nicht. Eigentlich ist mir das unangenehm. Lass mal über dich reden!!“

Bei mir schleicht sich das Gefühl schon gerne mal ein. Die Hemmschwelle ist natürlich bei jedem eine andere. Es gibt ja auch genug Menschen, die, und das sage ich völlig wertfrei, gerne im Mittelpunkt stehen und gerne von und über sich berichten. Ein Glück gibt es alles! Sonst würden wir uns ja nie ausgleichen und entweder regelmäßig um Aufmerksamkeit und Mittelpunkte buhlen oder aus dem Ping-Pong-Spiel „Erzähl du – Ne, erzähl du“ nie herauskommen. Auf diese Weise kann der Übereifer des einen etwas gezügelt und die Verschlossenheit des anderen etwas gelockert werden, hoffentlich.

Ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit genieße ich auch, keine Frage. Aber von manchen Menschen eben mehr, als von anderen. Ruy beispielsweise, macht mich sehr glücklich, mit seinem Interesse an meinem Leben, aber zu viel macht mich kirre, weil ich weiß, dass es von ihm ablenkt.

Wir können uns mit Sicherheit alle darauf einigen, dass uns Egoismus (gesund oder nicht) im Weg stehen, sowie genannten ebnen kann.

Das wichtigste Indiz ist folgendes: Wenn du mehr darüber weißt, was deine Freunde oder deinen Partner glücklich macht, als über dich selbst, wenn du immer nur für das Wohl und die Belustigung anderer entscheidest, anstatt für dich, läuft etwas schief. Du sollst ja dein Leben leben und nicht das eines anderen. Also immer etwas Selbstliebe, Eigeninteresse und -pflege, ins Lebensrezept integrieren. Vor allen Dingen sollte man die Menschen in Leben ausfindig machen, die, nach Oscar Wilde „verlangen so zu leben, wie sie es wünschen“ und ihren Einfluss auf die eigenen Person drastisch reduzieren.

Wird aus Selbstliebe eine „Ichsucht“, gilt es mal zwischen durch anderen zuzuhören und mindestens einmal am Tag eine selbstlose gute Tat zu vollziehen. Da solch eine Sucht einem selber natürlich meistens nicht bewusst ist, kann man nur auf ein Umfeld hoffen, welches einem seine ehrliche Meinung gesteht. Oder, selbstreflektiert wie selbstverständlich jeder ist, könnte man mal seine vergangene Woche beleuchten und sich fragen, wie viel man aus Eigennutz und wie viel man aus Nächstenliebe getan hat.

Mir hilft es ja Dinge zu visualisieren. Unser Ego ist ein Teil von uns. Gott sei Dank. Sagen wir einfach es hat einen Regler. Wir können beeinflussen, wann wir es etwas hoch oder runter drehen müssen. Das, und nur das, ist „La belleza del egoísmo“.

Bis bald

Saludos y un besito

Atlantischer Ozean vor GC, Whale Watching Tour

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Eine Antwort auf „21. La belleza del egoísmo“

Toll geschrieben Maus :)!
Und nebenbei ein spannendes Thema dieser Egoismus!! Wie du schon so schön geschrieben hast, ist der Egoismus manchmal eben absolut notwendig und wichtig für sich und seine Entwicklung. Entscheidend ist jedoch; ein gesundes Mittelmaß zu finden ☝🏼😊

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