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17. Traum, Partner, Kompromiss

In Artikel Nummer 11 „What if we are missing the point“, spreche ich davon aus Träumen Pläne zu machen. Unverzichtbar ist es für mich deshalb auch das Thema Träume und Wünsche in einer Partnerschaft anzusprechen. Folgt auf Traum ein Partner, bedeutet das dann gleich Kompromiss? Wie äußert sich das konkret für uns Frauen? Und wie sinnvoll ist eigentlich Planung?

Wir alle tragen Träume und Vorstellungen in uns. Manchmal wissen wir schon mit 5 was wir mal werden wollen, manchmal entwickelt sich in der Schulzeit der sehnliche Wunsch mal in dieser oder jener Stadt zu leben.

Unsere Träume und Ideen sind so vielseitig und individuell, wie wir es sind. Aber was passiert eigentlich mit ihnen, wenn wir unsere bessere Hälfte kennenlernen? Wenn wir nicht mehr nur unsere Lebensumstände meistern müssen und unsere Planungen realisieren müssen, sondern auch ihre.

Sicherlich ist ein großer Einflussfaktor wann wir den Partner kennenlernen. Sind wir noch jung und werden zusammen erwachsen? Verlieben wir uns vor oder nach Jobangeboten in anderen Städten? Oder lernen wir uns kennen, wenn mindestens einer von uns schon den wichtigsten Menschen im Leben an seiner Seite hat – sein Kind?

Was geben wir auf, wenn wir uns verlieben? Wie viele Kompromisse gehen wir ein? Wie oft bleiben wir uns treu, enttäuschen dabei aber den anderen? Und wie oft zerbrechen wir selber unsere Träume?

Fragen über Fragen, aber die wichtigste ist doch:

Gibt man überhaupt etwas auf, wenn man doch eine Partnerschaft geformt hat? Haben wir jemals etwas verloren, wenn wir etwas so kostbares dazu gewonnen haben? Das muss jeder für sich selbst beurteilen.

Es gibt auch kein passendes Einheitsrezept für jede Beziehung, dennoch denke ich, dass es das wichtigste ist zu versuchen, sich selbst zu verwirklichen und seinen Träumen auf die geplante oder eine spontane Weise gerecht zu werden. Egal, ob der Traum Existenzsicherung oder Hobby bedeutet. In den Momenten, in denen man merkt, es gibt Probleme oder man drängt gerade mit seinem Alleingang zu sehr die Existenz des Partners ab, muss einfach drüber geredet werden.

Vielleicht ist das das Geheimrezept. Nicht nur über reale Fakten und Daten zu sprechen, sondern sich auch gegenseitig insgeheime Träume gestehen – so unverwirklichbar sie auch sein mögen. Die Träume seines Partners zu kennen, macht es jedenfalls um einiges einfacher seine Realität zu begreifen.

Ich habe mal von einer Vorgehensweise gehört, die ich unglaublich inspirierend finde: Einmal im Monat, oder auch alle zwei Wochen, wie es euch so taugt, unternehmt ihr zusammen etwas schönes.

In dieser Zeit, bei diesem Date, wird nicht über die Kinder geredet oder die Arbeit oder die Freunde, sondern über die Wünsche und Ideen, die jeder einzelne in sich trägt. Das kann sich von Kindheitsträumen bis hin zu Schlafzimmergesprächen ziehen. Hauptsache es wird sich Zeit genommen, um über Sehnsüchte und Wünsche zu sprechen.

Ich bin der festen Überzeugung, wenn sie ausgesprochen und verraten wurden und natürlich auch gehört und angenommen, ist der erste Schritt getan. Nun einen Kompromiss zu finden, ist nicht mehr so schwierig oder schmerzhaft, einfach weil der Traum schon mal gehört und respektiert wurde.

Gehen wir Kompromisse ein sind wir Beziehungshelden. Kompromisse sind die Meilensteine einer erfolgreichen Beziehung. Laut der offiziellen Definition, sind Kompromisse eine gegenseitige, freiwillige Übereinkunft, eine Lösungsfindung. Na und das tun wir in einer Partnerschaft (jedenfalls in einer funktionierenden) wirklich ständig, oder? Das ganze findet in einer bunten Themenvielfalt statt von „Was kochen wir?“ bis hin zu „Ziehen wir für dein neues Jobangebot um?“

Gehen wir also Kompromisse ein, zeigen wir unseren Willen uns für das Wohl unserer Partnerschaft zu entscheiden und sind, im besten Fall, der Held für die bessere Hälfte und selber mit dem Arrangement glücklich.

Bedeutet das nun im Umkehrschluss, dass wir Egoisten sind, wenn wir unseren Träumen nachgehen? Wir denken nicht im Wir, sind zu selbst fixiert und riskieren das Wohlergehen der Beziehung für die Verwirklichung unserer Sehnsüchte. Ganz so pauschalisieren lässt sich das selbstverständlich nicht. Aber natürlich ist der Grad zwischen, einen passenden Kompromiss für das Wohl der Beziehung finden und seinen eigenen Traum nicht aus den Augen verlieren, bei Zeiten ein sehr schmaler.

Nun wie verhält sich das Ganze eigentlich für uns Frauen?

Gehen Frauen ihren Weg und verflogen ihren Traum werden sie oft als blühende oder auch ausufernde Emanzen betitelt. Wir bekommen zusätzlich zum Egotrip gerne noch den extra Stempel der emanzipierten Frau aufgedrückt. Ich schreibe es extra auf diese Weise, denn wir wissen alle, dass Emanzipation sehr häufig mit einem negativen Unterton belegt wird.

Wohingegen ich stolz auf Frauen und die Emanzipation bin, empfinden es genug andere als eine Art Problem. Es scheint immer etwas zu sein, worüber man kontrovers diskutieren muss. Es muss erwähnt und kommentiert werden, weil es nicht für jedermann völlig normal ist. In einer männerdominierten Gesellschaft, werden Männer hingegen häufig einfach als zielstrebig beschrieben. Da wird selten etwas kontrovers diskutiert.

Im Grunde ist es einfach nur wichtig, dass, trotz gesellschaftlicher Kontroversen, jede Frau ihre eigenen Entscheidungen treffen soll. Egal für was sie sich entscheidet, essentiell ist, dass sie es selber tut und es keine Gesellschaft und kein Partner für sie erledigt.

Diese Worte gesagt, plagen uns Frauen aber dann vielleicht auch andere Gedanken.

Wenn ich mich vollends meiner Partnerschaft hingebe oder ich die Sehnsüchte meines Partners vor meine eigenen stelle, bin ich dann nicht mehr emanzipiert genug? Geben wir uns wirklich so einfach auf?

Natürlich nicht. Nicht, wenn wir diese Entscheidung selber getroffen haben. Das hat nichts mit dem Grad unserer Emanzipation zu tun, sondern eher ob in der Partnerschaft Kompromisse gefunden werden, oder ob nur eine Partei „den Kopf hinhalten“ muss.

Jede Beziehung ist eben für sich zu betrachten, in jeder Umgebung, in jeden Umständen, in jeder Kultur. Und im Grunde genommen haben auch nur die zwei Menschen in der Beziehung das Recht über sie zu urteilen, auch wenn so viele andere Menschen sich dazu berechtigt fühlen.

Vor allem während der (Zukunfts-)Planung einer Partnerschaft, müssen häufig Kompromisse gefunden werden. Eine Lösung, die beide Parteien zufrieden stellt.

Eine große Frage, die mir jedoch mehr und mehr im Kopf herumschwirrt, ist, ob uns das ewige Planen wirklich weiterbringt?

Planen – unser Freund oder Feind?

Auch das ist eine sehr universelle und bedeutungsschwere Frage. Dementsprechend lässt sich auch das nicht vereinheitlicht beantworten, sondern muss von jedem einzelnen subjektiv betrachtet werden. Was Ruy und mich angeht, ist es ganz einfach. Planen ist mein Freund, und Ruys Feind. Da spielen mit Sicherheit die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Zeit in unseren Kulturen eine Rolle. Da ich mich zu dem Thema ein klein wenig auskenne, muss ich es hier mal erwähnen, sorry!

Wir Deutschen leben in der Regel eher in einer monochromen Kultur. Für uns ist Zeit sehr wichtig und wir nutzen sie effizient, um zukunftsorientierte Ziele zu erreichen. Untätig rumsitzen geht gar nicht. Von anderen Artikeln wisst ihr, dass ich mich alles andere als eine „Klischee-Deutsche“ bezeichnen würde. Aber mein Zeitverständnis gilt definitiv der monochromen Kultur. Es geht uns einfach darum Unsicherheiten zu vermeiden. Anstatt alles dem Zufall zu überlassen, machen wir lieber Pläne und sichern uns ab.

Südeuropäer haben häufig ein sehr konträres Zeitverständnis. Polychrome Kulturen schätzen nämlich mehr den Augenblick, den Mensch und das Netzwerken untereinander. Unsicherheiten sind etwas völlig normales. Der Tag wird so genommen wie er ist, bevor man sich gestresst mit unnötigen Langzeitplanungen beschäftigt.

Und genau das ist der Knackpunkt in einigen von unseren zukunftsgerichteten Konversationen. Ich möchte planen, auch wenn es nur „Traumplanen“ ist. Einfach mal zusammen rumspinnen, was man so machen, erleben und ausprobieren könnte. Bei Ruy stoße ich da aber auf wenig Begeisterung. „Du willst potentielle Schritte in der Zukunft planen? Wir wissen gerade noch nicht mal, wann wir uns wieder sehen können.“ Ruy ist eben nur für das Planen des nächsten, logischen Schrittes.

Und dann komm ich um die Ecke und würde gerne mit ihm planen wo wir vielleicht in 2 Jahren leben könnten. Einfach nur weil ich über potentielle Möglichkeiten philosophieren will und mir planen so wichtig ist. Ich möchte wohl einfach meine Zeit sinnvoll nutzen, auch wenn diese Zeit noch in ferner Zukunft liegt.

Ruys Einwand, dass das doch alles andere als sinnvoll ist und in uns nur falsche Hoffnungen entfachen könnte, ist leider ein sehr berechtigter. Da muss ich mich geschlagen geben. In unsicheren Zeiten wie diesen, ist es tatsächlich ein unnützes und vielleicht auch trauriges Unterfangen, 100 Schritte voraus zu planen, bevor man Schritt 1 kennt.

Wie viele von uns haben schon Zeit und Energie in Gedanken und Planungen gesteckt, die für uns einfach zu weit voraus waren und wurden folglich enttäuscht, weil es ganz anders kam, als wir uns das ausgemalt hatten. Ich möchte nur mal an den Single in uns allen appellieren, der sich, ohne Datum für Date Nummer zwei zu wissen, schon die wildesten Gedanken gemacht hat, dann aber feststellen musste, dass es noch nicht mal zu einem zweiten Date kommen wird.

Also Planen, ein Freund in sicheren Abständen und logischen Zeiträumen. Ein Feind, wenn es nicht mehr planen ist, sondern nur noch spekulieren. Genau das ist auch im Grunde der Kompromiss der für Ruy und mich funktioniert. Hat mein Planungseifer Hand und Fuß, ist Ruy an Bord, spekuliere ich krampfhaft vor mich hin, bremst er mich aus. Ein Kompromiss der Sinn macht. Mit dem können wir beide leben.

Alles in allem ist es in meinen Augen unverzichtbar sich in einer Partnerschaft gegenseitig seine Träume zu gestehen, ob sie nun abwegig oder realisierbar sind. Wünsche müssen zumindest gehört und akzeptiert werden. Sind die realisierbar, sollte man sie ausleben. Geraten sie der Partnerschaft oder dem Leben des Partners in die Quere, müssen Kompromisse gefunden werden, mit denen jeder glücklich ist oder es zumindest werden kann. Zeit für Träume gestehen einräumen also unbedingt, im Dreieck springen wegen spekulativen Planungen, also bitte nein.

Denkt daran, Träumer leben immer zweimal. Spekulative Planer leben noch nicht mal ein Leben in vollen Zügen.

Bis bald

Saludos y un besito

Monasterio de Teror
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4 Antworten auf „17. Traum, Partner, Kompromiss“

Der Absatz in dem du sagt, dass Frauen sich verwirklichen sollen und man als Frau auch stolz darauf sein soll wenn man emanzipiert und selbstbewusst ist, da hast du mir aus dem Herzen gesprochen! Auch soll eine Frau, wie du sagst, selbst entscheiden können, wie ihr glückliches Leben aussehen soll, da bin ich ganz deiner Meinung!! Total klasse! Zum Thema planen kann ich sagen, dass es vor allem dann wichtig ist, wenn man als Paar etwas erreichen und seine TRÄUME auch WIRKLICHKEIT werden lassen will. Man kann nicht einfach so in den Tag leben und denken das Leben wird schon irgendwie schön werden für uns… Sondern es ist wichtig sich Ziele zu setzen um gemeinsame Träume zu erreichen… Jeden Tag, ein kleines Stück zum Glück =)

Liebe Magdalena,
Vielen lieben Dank für deinen Kommentar und dein Feedback! Ich habe mich sehr darüber gefreut 🙂
Was das Planen der gemeinsamen Träume angeht, gebe ich dir auch vollkommen recht. Verfolgt man einen konkreten Traum, eine Idee zusammen, ist das Planen nicht nur notwendig, sondern macht auch richtig glücklich.
In meinem Artikel wollte ich darauf aufmerksam machen, dass Planen wunderbar ist, wenn es logisch in diesem Moment ist oder etwas konkretes verfolgt wird. Ich finde nur man sollte sich nicht an Spekulationen aufreiben und manchmal erstmal abwarten.

Ich hoffe du schaust nochmal vorbei !
Viele liebe Grüße
Fine

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