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13. Gran Canaria – Das Überraschungsei

Da wären wir wieder. Ein neuer Artikel, eine motivierte Autorin und hoffentlich einige interessierte Leser. Ich würde super gerne mal wissen, ob hier jemand liest, der mich nicht persönlich kennt? Gibt mir gerne mal ein Zeichen!

Das Ü-Ei! Oh Gott was habe ich es geliebt. Ihr bestimmt auch oder? So lecker und immer mit einer schönen Überraschung drin. So oder so ähnlich ist auch Gran Canaria für mich. Von außen denkt man, man weiß was man hat, aber dann lernt man das Innere kennen und wird nicht nur einmal ordentlich überrascht.

Gran Canaria ist ein wunderbarer Ort und ich bin ein großer Fan. Doch auch so einige Dinge ließen mich schon wundern. So vieles hat mich schon zum schmunzeln gebracht oder die Augen aufreißen lassen. Meistens denke ich mir: „Du kleiner Fleck auf der Erde, was hast du alles in dir“. Nicht umsonst nennen die Einheimischen ihre Insel auch „den kleinen Kontinent“, aber dazu später mehr.

Mit ein Grund, warum ich schon so oft überrascht wurde, war vor allem, weil ich vor Ruy keine der kanarischen Inseln jemals besucht hatte. Ich glaube allein GC empfängt jährlich bis zu einer Millionen deutscher Touristen. Ähnlich, wie bei Mallorca, entsteht dann schnell ein Trugbild. Ich dachte jahrelang: „Ach joa… Gran Canaria … ist halt ne Touri-Insel“. Hat mich ehrlich gesagt nie gereizt. Dann kam Ruy und plötzlich entdeckte ich den Zauber von GC.

Nun aber zu den 8. Überraschungen, die GC mir beschert hat:

1. KANARISCH VS. SPANISCH

Jeder, der meinen Blog schon etwas verfolgt, weiß, dass mein eingerostetes Schulspanisch für nichts mehr gut war, als ich Ruy kennenlernte. Jetzt lerne ich zuhause mit Büchern und Apps, sowie in der praktischen Ausführung auf GC. Leider habe ich mir das teilweise wirklich einfacher vorgestellt, als es ist. Spanisch ist eine wunderbare Sprache. Aber auch wunderbar vielseitig.

Es scheint, als würde jedes Spanisch sprechende Land diese Sprache für sich neu interpretieren. Während die einen einige Verben anders konjugieren, lassen die anderen eine Person einfach komplett weg. Sogar innerhalb Spaniens, gibt es allein vier unterschiedliche „Hauptsprachen“. Es häufen sich die Momente, in denen ich mich über ein neu gelerntes Wort freue, Ruy mein Enthusiasmus aber ausbremst und sagt „In Madrid nennen sie das aber …“ oder „Aber Vorsicht, in Mexiko bedeutet dieses Wort f*****“. Nichts von all dem bringt mich allerdings so ins Trudeln, wie der kanarische Dialekt. Schön klingt er ja…

Er ist sehr sanft und dem kubanischen Spanisch sehr ähnlich, habe ich mir erklären lassen. Doch für einen blutigen Anfänger wie mich, ist es die reinste Folter. Selbst meinen Freund verstehe ich nicht, wenn er so richtig loskanarelt.

Mir kommt es so vor als wäre Spanisch lernen auf den Kanaren, so wie Englisch lernen in Irland. Man gewöhnt sich daran, aber leicht zu verstehen ist es anfangs nicht. Unterm Strich: Gerade lerne ich Spanisch, danach folgt dann hoffentlich auch „das Kanarisch“. Und so bleibt es fortan dabei und ich tanze den Tanz „Reden wir noch Spanisch oder stottern wir schon kanarisch?“

2. OFFENHERZIGKEIT AM STRAND

Die öffentlichen Strände Gran Canarias sind keine FFK Strände. Aber für schüchterne, frigide Menschen sind sie auch nichts. Oben ohne ist hier ganz normal und das was als Bikinihöschen getragen wird, bedeckt am liebsten gerade nur so das nötigste. Bikiniabdrücke gehen hier gar nicht! Auch Ruy hat mir bei meinem allerersten Besuch und Gang an den Strand ans Herz gelegt: „Sein Oberteil behält man hier eigentlich nicht an.“ „Kannste vergessen!“, habe ich mir damals gedacht. Heute gehe ich schon gar nicht mehr mit Bikinioberteil los. Es wird nicht gestarrt und man fühlt sich auch nicht unwohl. Es ist einfach ganz normal. Ich finde dieses Erlebnis bis heute unglaublich inspirierend. Alle Menschen am Strand, fühlen sich augenscheinlich wohl in ihrer Haut. Alter und Figur spielen hier überhaupt keine Rolle. Hier verschwendet keiner auch nur eine kostbare Sonnensekunde damit sich Gedanken zu machen, wie er aussieht. Sie lassen, im wahrsten Sinne des Wortes, ihre Hüllen fallen und leben ein positives Selbstbild vor.

3. CARNAVAL UND DIE DRAG QUEENS

„Carnaval“ in Las Palmas de Gran Canaria – DAS wichtigste Event des Jahres. Eigentlich verdient die Berichterstattung dieses einen Monat andauernden Festes einen eigenen Artikel. Über Wochen wird hier „Carnaval“ zelebriert. In den Clubs und Bars, auf den Straßen und auf großen Bühnen. Ist der Carnaval in Las Palmas beendet, geht er im Süden der Insel, in Maspalomas, gerade weiter. Es scheint wie eine endlose Zeit voller Highlights.

Ob jung oder alt, jeder verkleidet sich. Auf den Straßen und in großen Parks wird auch schon mittags ausgiebig gefeiert und getanzt. Als wir dieses Jahr auch noch das Konzert von Juanes („La camisa negra“) miterleben durften, dass er mitten im bunt geschmückten Park von Santa Catalia gab, war ich total baff. Keiner musste hier einen Cent Eintritt zahlen, auch war man nicht verpflichtet Getränke zu kaufen. „Carnaval ist ein Fest von der Stadt für die Menschen“, erklärte mir Ruy. „Es geht um die Zusammenkunft aller.“. Kein Wunder also, dass die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Stadt und mit ihrer Insel beständig bleibt und mit jedem Carnaval aufs Neue wieder zelebriert wird.

Wenn das nicht schon Überraschung genug gewesen wäre, wurde ich noch Zeuge der alljährlichen Drag Queen Gala, die um diese Zeit stattfindet. Kanarische Drag Queens bekommen seit 1997 hier eine Plattform geboten ihr Talent und ihre Kreativität unter Beweis zu stellen. Und das tun sie und zwar mit live Übertragung vor einem großen Publikum, auf einer imposanten Bühne. Wie so offen, seit so vielen Jahren Diversität und Toleranz gefördert wird, hat mich sehr beeindruckt. Und Leute es ist unfassbar entertainend ! Ich kann es sehr empfehlen.

4. MI NIÑO, MI NIÑA

Wie wunderschön ist es in der spanischen Sprache mit welch leidenschaftlichen Kosenamen sich betitelt wird. Mi amor (meine Liebe), mi cielo (mein Himmel), mi vida (mein Leben), mi alma (meine Seele)… herrlich!

DER kanarische Kosename ist definitiv “mi niño/mi niña“ (Junge/ Mädchen/ Kind).

Eigentlich wirklich ganz süß. Die Namen an sich, sind auch nicht das was mich überrascht hat, sondern ihr Gebrauch. Erstmal habe ich einen deutschen Moment gebraucht, um mich daran zu gewöhnen, dass Ruy mich seine „niña linda“ nennt. Viel befremdlicher ist es aber immer noch für mich, dass auch junge Menschen, ältere mit diesen Kosenamen ansprechen und rufen. Ich finde das so seltsam und habe Ruy ehrlich geschockt gefragt, ob ich seine Mutter, also theoretisch mit „mi niña“ ansprechen kann. „Kannste“, hat er gesagt. Auch, wenn das für die Spanier normal ist, höre ich mich allerdings zu seiner Mama sagen „mein(kleines)Mädchen“. So belasse ich es vorsichtshalber erst mal bei „mi niño lindo“ für Ruy.

Aber auch das ist eigentlich wieder das Sinnbild von dem in Artikel 7 beschriebenen herzlichen Umgang. Es ist einfach niedlich.

5. KLEINER KONTINENT

Wie schon erwähnt, wird GC von seinen Bewohnern als kleiner Kontinent beschrieben. Und das ist er. Wie ich zuvor gestanden habe, hatte ich fälschlicherweise, keine großen Erwartungen an GC und wurde mit einer geballten Ladung an abwechslungsreicher Natur überrascht. Der höchste Pass Gran Canarias und gleichzeitig geografischer Mittelpunkt der Insel ist „Cruz de Tejeda“. Er liegt ca. 1580 Meter über dem Meeresspiegel. Das gleichnamige Dörfchen Tejeda, wird zurecht als eines der schönsten Fleckchen in Spanien gefeiert. Das Klima hier oben ist ein ganz anderes als unten in Las Palmas, geschweige denn im Süden der Insel, in Maspalomas. Hier weht immer ein frischer Wind. Es kommt aber auch durchaus vor, dass es in den höheren, grünen Bergregionen schneit, während in Maspalomas die Touristen bei 30 Grad in der Sonne schwitzen. Ich habe immer das Gefühl, wir fahren durch verschiedene Klimazonen, krasser noch, durch verschiedene Länder, wenn wir einen Ausflug machen. Der gelbe Süden mit seinen Sanddünen, die grüne Mitte der Insel und manchmal eben auch die Schneeflocken in der schönen Berglandschaft.

Wie jeder Kontinent, bietet auch diese Miniaturausgabe, jede Menge Möglichkeiten an Beschäftigungen: Klettern, Wandern, Mountainbiking, Surfen und Tauchen oder einfach nur „Beaching“ und Relaxing.

6. DAS MANDELBIER

Gleich im Anschluss, die Überraschung Nummer 6 – Das Mandelbier, welches wir in Tejeda, in einem sensationellen, nachhaltigen Restaurant getrunken haben.

Tejeda ist bekannt für seinen Mandelanbau und wir durften ein mir vorher nicht bekanntes tolles Produkt der Mandeln probieren: Ein Bier, welches unter anderem aus Mandeln hergestellt wird. Es schmeckt wirklich gut – gerade für die, die gerne herbes Bier trinken, finde ich es eine gute Wahl. Ich bin einfach immer wieder baff, was so alles zu zaubern ist. Sollte man einfach mal ausprobieren.

7. NIE GASSI OHNE DESINFEKTION

Wir kennen es alle das leidige Thema: Du gehst mit deinem Hund vor die Tür und aber vergisst die „Tütchen“. Ärgerlich und heimst auch viel Kritik ein, wenn man auf Bürgersteigen und Gehwegen unterwegs ist. Absolut verständlich. Allerdings, wenn der Hund Pipi macht, habe ich, jedenfalls in Deutschland, noch nie jemanden ein Ton von sich geben hören. In einigen Städten in Spanien allerdings wird, auch wenn der Hund nur Pipi macht, immer nachgespült. Das heißt, du gehst nicht nur mit deinem Vierbeiner-Freund vor die Tür, sondern auch mit einer Flasche, gefüllt mit einer Mischung aus Wasser und Desinfektionsmittel. Wirst du kontrolliert und läufst mit „Lucky“ ,aber ohne Fläschchen durch die Gegend, zahlst du Strafe. Das hat mich echt aus den Socken gehauen. Allein schon, dass überhaupt nachgespült werden muss, aber dass es sogar „mehr“ als Wasser sein muss, ist für mich fast schon unverständlich. An die Umwelt denkend, ist es in unser alle Interesse, wenn hoffentlich irgendwann nur noch mit Wasser die Spuren beseitigt werden.

8. REGEN – EIN NO GO

Im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn es auf GC regnet, besteht eine „No-Go“ Situation. In der Regel regnet es nicht oft. Wenn es regnet, dann meist eher sehr mild. Aber manchmal treffen auch GC richtige Regenschauer und Stürme. Ist das der Fall, beschreibt Ruy das Szenario als „Mission: Impossible“. Oft fallen Ampeln aus, die Gullys sind überfordert mit der Masse an Wasser und viele Menschen können einfach nicht mehr Auto fahren. Überforderung durch und durch. Trouble in paradise.

Es ist schon wirklich spannend, wie viel wir noch lernen können. Ich möchte gar nicht wissen, wie oft Ruy schon von unseren Gepflogenheiten mächtig überrascht war.

Es gibt nichts besseres. Mal aus dem eigenen Dunstkreis raus treten und sich mal wieder wundern. Behaltet es euch immer bei!

Bis bald

Saludos y un besito

Ausblick bei Cruz de Tejeda
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2 Antworten auf „13. Gran Canaria – Das Überraschungsei“

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