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11. What if we are missing the point

Mir kam kürzlich der Gedanke, wie oft wir wohl am Ziel vorbeischießen. Gelegenheiten trifft es eher.

Meine Zeit in Spanien brachte mich auf diesen Gedanken.

Die Traumformel lautet: In einem „fremden“ Land leben plus jede Menge freie Zeit macht gleich viele neue Möglichkeiten.

So einfach funktioniert die Gleichung natürlich nicht. Ich würde mich nie trauen das Leben so dramafrei darzustellen.

Dich in einem dir sprachlich fremden Land nun job- und hobbylos wiederzufinden, ist erst mal sehr trostlos.

Ja ich weiß, es ist Las Palmas und es gibt einen Strand vor der Tür und touristenfreundliches Leben auf den Straßen. Aber ich wollte kein Tourist sein. Ich wollte mich auch nicht tagtäglich als einer „outen“ müssen. In meinen Augen jagte ein Problem das andere. Jedes Hindernis war ein Schlag ins Gesicht:

Ich spreche die Sprache nicht richtig – BAM!

Ich verhalte mich super schüchtern – und so kenne ich mich nicht – BAM!

Ich möchte mein Freund nicht enttäuschen – BAM!

Ich möchte mich nicht enttäuschen – BAM!

I was totally missing the point. Da wo ich Hindernisse und Probleme sah, hatte sich einfach nur ein neuer Lebensabschnitt aufgetan. Ich hatte eine Zeit in meinem Leben erreicht, die voll war mit Gelegenheiten und natürlich, wie soll es anders sein, lief ich Gefahr diese zu übersehen. Neues birgt erst mal Unsicherheiten. Konzentrierst du dich nur auf deine Grenzen, so wie ich in den ersten Wochen in Spanien, siehst du auch nur diese.

Eine weitaus positivere Betrachtungsweise äußert sich folgendermaßen: Angst und Ungewissheit kommt aus dem gleichen Topf wie Mut. Sie gehören zueinander. Unweigerlich also, nehmen wir ein paar gut gefüllte Löffel Unsicherheiten zu uns, bevor beim nächsten Löffel der Mut in Erscheinung tritt!

Mein ganzes Leben, meine Erziehung und meine vorigen Entscheidungen waren darauf ausgelegt, Zeit sinnvoll zu nutzen und im besten Fall entstandene Ergebnisse wiederum für meinen Vorteil einzusetzen.

Nun lebte ich im traumhaften Las Palmas. Ich wusste es ist immer eine temporäre Zeit und ich ging mit Unterbrechungen zurück nach Deutschland, aber das schien mir nicht genug. Ich wollte mein Leben in Las Palmas innerhalb kürzester Zeit nach dem Vorbild meines Lebens in Deutschland aufbauen. Arbeit, Hobby, Alltag und Routinen. Aber natürlich geht das nicht so schnell – erst recht nicht, wenn die Landessprache nicht richtig sitzt. Und ist das auch wirklich Sinn der Sache gewesen? Genau das Leben, welches man schon kennt nun genauso nur in anderer Umgebung wieder aufzubauen, nur weil man der Meinung ist, das ist der einzig wahre Weg. Es ging ursprünglich nur darum, endlich ein Zusammenleben auszuprobieren. Innerhalb meiner ersten Woche „ohne richtigen Plan“, sah ich mich aber vollkommen verzweifeln, weil ich nicht in gewohnten Routinen rannte. Anscheinend war nur das für mich ein Abbild von „seine Zeit sinnvoll nutzen“.

Ruys Frage warum ich diese Zeit nicht mehr als Geschenk sehen würde, brachte mich zum Stutzen. „Du kannst dich grade nochmal neu erfinden.“ Er hatte Recht.

Eigentlich steht uns die Welt offen, aber wir sind es selber die sich mentale Grenzen setzen. Dabei sollte es doch genau dort überhaupt keine Grenzen geben, oder? Wir ziehen sie hoch und stecken viel Energie in ihr Bestehen. Wir sehen sie als Schutzmaßnahmen, denn sie halten die Dinge im Zaum, die uns herumspinnen und träumen lassen. Diese Grenzen erbauen wir mit Überzeugungen: „Ich bin nicht gut genug“, „Ich müsste mich dafür rechtfertigen“, „Die äußeren Meinungen, würden mich einschüchtern“, „Vielleicht scheitere ich, wenn ich es ausprobiere“, „In Zukunft könnten Probleme entstehen“.

Was, wenn es diese Grenzen nicht geben würde und wir aus Träumen, Pläne machen?

Ich fing an darüber nachzudenken, was ich schon immer aufgreifen wollte. Träume und Vorstellungen, die ich eigentlich für mein Leben hatte, die aber auf der To-Do-Liste verweilten, die man einfach nie realisiert. Man schiebt sie immer von sich weg, weil man Angst hat, dass die eigentlichen Pläne und Träume nicht so wichtig sind, wie das bereits geplante Leben, oder weil wir uns dafür schämen oder weil wir große Angst haben, zu scheitern, wenn wir sie ausprobieren. Wir schieben unser aktuelles Leben vor und sagen uns immer wieder, dass die Routinen wichtig sind. „Ich habe keine Zeit zu träumen. Ich habe keine Zeit für neue Gelegenheiten.“

Doch haben wir. Und es ist nicht erst jede Menge Zeit in einem fremden Land dafür nötig. Das geht immer.

Ich hatte glücklicherweise, genügend Zeit außerhalb meiner normalen Verpflichtungen, um zu realisieren, wie viele Gelegenheiten um uns herum schwirren und wie viele wir – willentlich oder nicht – verpassen. Nun kann ich euch meine Erkenntnis weitergeben, denn ich möchte, dass euch allen klar wird, wie spannend es ist, die eigenen Grenzen zu öffnen.

Denn diese eigens gesetzten Grenzen verweigern es uns eine offene Welt zu erleben. Wir verweilen in unserer Welt, mit Grenzen hoch gezogen, wie einschüchternde Mauern. In der offenen Welt, spinnt man nämlich auch mal herum und lässt seinen Plänen und Ideen freien Lauf. In der offenen Welt, bestimmen nicht die Grenzen den Verlauf unserer Entscheidungen und unseres Tatendranges, sondern unser Mut und unsere Träume. Wir löffeln jede Menge Unsicherheit in diesen Momenten, aber mit ihnen kommt dann auch der Mut.

Wenn ihr euch auf die Mauern fokussiert („Ich kann das nicht gut genug“), verweigert ihr euch neue Möglichkeiten.

Igelt ihr euch in euren Mauern ein, dann habt ihr den Sinn verfehlt.

In Teilzeit gehen und die Fernbeziehung nach Spanien gab mir, nicht nur Zeit, sondern auch den Schubs in meinem Leben mal wieder darüber nachzudenken was so hinter meinen aufgebauten Mauern schlummert. Unter anderem fand ich dort auch das Schreiben. Wie oft hatte ich im letzten Jahr damit angefangen, aber es als dumm und ziellos wieder abgestempelt.

Auch damals: I was missing the point! Denn ich spann meine Idee bis in die weite Zukunft weiter und sah dort Probleme entstehen, bevor ich überhaupt etwas Einheitliches zu Papier gebracht hatte.

Der eine ausschlaggebende Faktor der alles zum Rollen brachte war, dass ich aufhörte zu weit in die Zukunft zu schauen. Ich fing an zu Schreiben nur für mich, weil es meine Idee war und da traten keine Probleme auf. Nach und nach kamen Mut und Freude und dieser Blog entstand.

Das Schreiben ist bei weitem nicht alles, was ich schon immer verwirklichen wollte. Sobald ich meine mentalen Mauern mal eingerissen hatte, sprudelten viele meiner Pläne heraus. Alle lohnenswert und unglaublich wichtig zu verfolgen.

Ich sage nicht, schmeiß dein altes Leben über den Haufen oder zerstör dir alle Sicherheiten, die du dir aufgebaut hast – keinesfalls!

Ich sage nur, gib deinen Plänen, Ideen, Träumen, verborgenen Talenten oder Hirngespinsten einen Platz in deinem Leben. Sie sind nicht ohne Grund in dir. Sie verdienen einen Platz und wer weiß, wo sie dich dann noch hinführen. Vielleicht werden sie als Erfahrungen abgestempelt, völlig ok. Vielleicht geben sie dir für eine gewisse Zeit oder dein ganzes Leben ein glückliches Gefühl. Vielleicht verändern sie dein Leben auch in genau das, was du dir immer gewünscht hast.

Egal wie, auf euch selber, eure Ideen und Talente, zu setzten ist immer eine sichere Wette!

Wenn wir ein Talent haben, besteht immer die Möglichkeit, dass wir Erfolg damit haben werden! Lebe deinen Traum und mach ihn zu einem Plan.

Ruy ist definitiv der mutige Träumer in unserer Beziehung. Er erlaubt sich herumzuspinnen und aus Träumen, Pläne zu schmieden.

Ich, die Realistin, flippe aus, wenn keine normalen Routinen in Sicht sind. Ohne Ruy hätte ich mich nicht getraut meine mentalen Grenzen wieder einzureißen und zu realisieren, dass auch ich eine Träumerin bin. Wie wir alle.

Schmiedet nicht nur als Realisten Pläne, sondern auch als Träumer. Erlaubt euch neue Möglichkeiten und Alternativen in Betracht zu ziehen und lasst euch nicht von euren Grenzen kontrollieren.

Don’t let yourself miss the point. The point are your dreams. And your dreams are inside you – waiting to become a plan!

Mit Ruys Worten: Is it difficult? Do it! Is it impossible? Try it!

Bis bald

Saludos y un besito

Teror – Gran Canaria
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5 Antworten auf „11. What if we are missing the point“

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