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9. Vier coronaliche Weisheiten

Da wären wir wieder, nach diesem komplimentegeladenen Dreiteiler. Ich hoffe es hat euch gefallen.

Die letzten drei Artikel haben einige positive Erfahrungen enthalten. Hoffentlich schaffen es diese sich von „Papier“, beziehungsweise Computer oder Handydisplay, zu lösen und auch einen positiven Effekt in eurem Leben zu bewirken.

Dennoch, nach so viel Balsam für die Seele und romantischen Auszügen meines Lebens in Las Palmas, ist jetzt mal wieder Zeit für ein paar „hard facts“.

Ich dachte wirklich, ich würde drum herum kommen. Eigentlich wollte ich jeglichen Artikel vermeiden, der sich um den Coronavirus dreht. Einen Moment sind wir betroffen, in Gedanken an all die Opfer, die dieser Ausnahmezustand schon forderte, den nächsten voller Enthusiasmus und Freude, weil wir unsere Freundschaften und Beziehungen noch nie so ausgiebig gepflegt haben, wie zu dieser Zeit. Corona versetzt uns in eine bipolare Ekstase.

Ich wollte meinen Blog gerne als eine Form von Ablenkung sehen – quasi um eine coronaliche Pause einzulegen. Einmal nicht mit diesem Thema beschäftigen. So, wie wenn man Netflix anschmeißt.

Jetzt muss ich es leider doch etwas einfließen lassen, aber einfach nur weil, die Thematik, auf der mein Blog basiert – nämlich mein Leben in Spanien – von dem Virus natürlich gerade erheblich eingeschränkt ist. Ruy und meine Fernbeziehung hat momentan ihren Höhepunkt an „Ferne“ erreicht und deswegen komme ich einfach um eine coronaliche Berichterstattung nicht herum.

Aber, keine Sorge, dies hier wird keine tragische Ballade. Ich werde den Artikel nicht nutzen, um geschlossene Grenzen und lahmgelegte Flughäfen zu beklagen.

Falls ihr meinen Blog die letzten Wochen schon verfolgt haben solltet, wisst ihr, dass es mir ein großes Anliegen ist, die Dinge positiv zu sehen. In persönlichen Stolpersteinen oder ungewöhnlichen Begebenheiten in meinem Leben, möchte ich lieber Chancen sehen und diese weitertragen, anstatt mich zu beklagen oder heiß in Selbstmitleid zu baden.

Ruy und ich sind Distanz gewohnt. Das erleichtert die Sache definitiv. Wir kennen es, unsere Tagesabläufe, Sorgen und Freuden per Videochat zu teilen. Mit der Zeit lernt man, sich auch mit diesem Medium genauso verbunden zu fühlen, wie wenn derjenige auf deiner Couch chillt. Einfach weil dir keine andere Wahl bleibt.

Vielleicht erleben das auch einige von euch momentan mit ihren Freunden und Familien. Ich glaube die Welt hat noch nie so viele Videochat- Apps genutzt wie zur gegebenen Zeit. Wir verabreden uns jetzt nicht mehr in der Bar oder im Restaurant, aber auf der Couch mit dem Weinglas zwischen den Beinen eingeklemmt balancierend. Verbunden fühlen wir uns trotzdem. Und entertaint, oder? Egal was man über die asozialen Sozialen Medien sagen kann… wenn Corona das Leiden ist, sind die Sozialen Medien die Schmerztablette.

Meine aktuellen Pläne für meine Zeit in Las Palmas, wurden leider durchkreuzt. In der Regel stellt ein paar Wochen auf ein Wiedersehen zu warten für mich, oder uns, kein Problem dar… aber ich muss einfach dazu sagen, bisher wussten wir auch immer, dass es klappen wird. Der einzige Faktor über den ich mir normalerweise nur Gedanken machen muss ist wann und wie lang. Man vergisst, erschreckenderweise, dass es ein wahnsinniger Luxus ist, dass man überhaupt so sorgenfrei herumreisen kann.

Natürlich stellt mich die ganze Organisation mit Job, Freunden und Fernbeziehung manchmal mächtig auf die Probe. Ich habe keinen 9 to 5 Job. Also obliegt mir der Löwenanteil an der Planung.

Aber trotz allem wissen wir immer, dass wir uns sehen werden. Die meiste Zeit wissen wir für den folgenden Monat sogar die genauen Daten. Uns steht nichts im Wege – jedenfalls bis Jetzt.

Einmal einfach nicht mehr reisen zu dürfen – ist uns gar nicht in den Sinn gekommen. Wieso auch? Uns allen nicht. So ein hohes Maß an Eingeschränktheit musste glaube ich noch keiner von uns erfahren. Lucky us!

Also Weisheit Nummer 1: Wir sollten uns täglich glücklich schätzen, dass wir reisen und uns frei bewegen können. Vor allem aber, dass dieser ausgerufene Notstand auch wirklich nur ein Ausnahmezustand für uns darstellt und kein täglich Brot ist, wie für manch andere Menschen.

Jetzt kennen wir das Ende der ganzen Geschichte nicht. Wir alle warten, Netflix schauend und Alkohol konsumierend, darauf dass sich Grenzen öffnen und die Arbeit wieder ins Rollen kommt.

Und wie die Mehrheit der Menschen, versucht ihr bestimmt auch das Beste aus der Zeit zu machen. Irgendwie ist es ja auch ganz cool. Wenn wir jetzt mal alle negativen Aspekte für einen Moment außer Acht lassen – können wir von dieser außergewöhnlichen Zeit schon einiges mitnehmen. Gewöhnliche Zeiten, sind diese, die wir immer haben, die wir kennen und in denen unsere Routinen einwandfrei laufen. Die außergewöhnlichen Zeiten sind dafür da, sich auszuprobieren und kennenzulernen, weil in diesen finden unsere altbekannten Routinen keine Spur zum Fahren. Wir bekommen alle einen Säbel in die Hand und werden in einen Dschungel gesetzt – in dem wir uns nicht all zu gut auskennen. Manche sitzen dort alleine, andere zu zweit oder haben ihre Familien im Schlepptau. Egal wie – jeder hat seinen Säbel. Und jetzt darfst du dir deinen eigenen Weg durch den Dschungel schlagen. Du bist eingeschränkt, klar – aber du darfst individuell entscheiden, ohne alte Spuren zu nutzen.

All das ist ein großer Appell an unsere Kreativität. Weisheit Nummer 2: Nutze sie !

Was Ruy und mich angeht – sind wir doch recht optimistische Menschen. Ruy ist bei Zeiten mehr optimistisch als ich. Ich mach mir schon eher mal meine Sorgen und Gedanken.

Eine Sache, die man auf jeden Fall unbedingt vermeiden muss, ist dem Hirn zu erlauben in Panikmodus zu schalten. Diese netten „Was wäre wenn – Gedanken“. „Was wäre wenn, das ganze noch ewig andauert und wir uns kommende Probleme, noch gar nicht ausmalen können?“

Überreaktionen. Warum machen wir das? Weil wir sensations- und dramageil sind ? Oder weil wir uns schon mal über die schlimmsten Ausmaße Gedanken machen wollen, damit wir „vorbereitet“ sind ?

Egal warum – aufhören damit.

Nie gab es eine Zeit in unserem Leben, in der wir mehr angehalten waren mit unseren Gedanken im Jetzt zu verweilen, einfach um unsere geistige Gesundheit zu schonen.

Lieber Augen offen halten für das, was um einen herum passiert und auf aktuelle Situationen reagieren. Auf diese darf man durchaus auch mal emotional überladen reagieren – kein Problem – aber dann ist es wenigstens eine echte „lohnenswerte“ Stresssituation für den Körper und keine die eigentlich nur von Hirnfürzen ausgelöst wurde und überhaupt kein Fundament hat.

Auch können wir uns auf Situationen emotional nicht vorbereiten. Also ist es auch Banane sich darüber vorher Gedanken zu machen, um sich schon mal spüren zu lassen, wie schlimm es sich anfühlen könnte.

Man kann sich nicht auf den Schock vorbereiten, der einen durchfährt, wenn man gekündigt wird oder einen Streit mit dem besten Freund oder der besten Freundin hat oder wenn man verlassen wird.

In diesem Punkt darf und sollte man mehr durchatmen und geschehen lassen. Sich stressen lassen oder emotional niedergeschlagen oder aufgeregt sein, wenn es soweit ist und nicht schon davor. Um es nochmal mit Ruys Worten auf den Punkt zu bringen: „That is the problem of the Future-Fine“ (oder welchen Namen ihr anstelle meines da jetzt auch einsetzen wollt).

Wenn man das mal verinnerlicht hat, geht es nur noch darum jeden Tag wirklich so zu nehmen wie er ist. Und das tun wir. Wir freuen uns trotzdem über jeden Videochat und über jede Nachricht.

Wir stellen auch immer wieder fest, dass unser „Problem“ absolut nicht im Verhältnis zu anderen wirklichen Problemen steht, die gerade passieren.

Weisheit Nummer 3: Eine Lebenseinstellung, hängt nicht von dem Ort ab, an dem du dich aufhältst. Von dem Wetter, den Menschen und der Landschaft, die dich umgibt. Das Gefühl, dass dir dein Partner gibt, hängt nicht von seiner Präsenz ab.

Das, was ich aus meinem Leben mitnehme, meiner Zeit in Spanien und mit Ruy, lebt auch in Deutschland in Quarantäne weiter. Nimmt eure positiven Einstellungen, eure Motivationen und Freuden auch jetzt mit und lebt sie aus. Außergewöhnliche Zeiten haben keine vorgefertigten Spuren, aber Platz, um alles Gute in euch in eine andere Richtung zu lenken. Da wo es jetzt gebraucht wird oder wo ihr es von Nutzen seht.

Eine letzte Lehre, die man aus der ganzen Sache unbedingt ziehen muss ist Weisheit Nummer 4: Der Planet atmet endlich auf!!

Die globale Erderwärmung ist schon lange eine dunkle Wolke über unseren Köpfen, aber sie wurde immerzu und gerne ignoriert. Anscheinend brauchen wir erst einen globalen Notstand, Tausende Tote, Ausgangssperren und vor allem einen wirtschaftlichen Totalschaden, um in unsere Schranken gewiesen zu werden. Unser Planet wenigstens profitiert. Dedos cruzados, dass wir auch nach überstandener Krise mehr Entscheidungen für unseren Planeten treffen.

Zu guter Letzt ein Shoutout an alle Fernbeziehungsler da draußen. Und nicht nur an euch, sondern auch an alle, die von ihren Familien und Freunden getrennt sind. Beziehungen bedeuten nicht weniger, weil die face-to-face time in diesen geringer ausfällt, als in anderen. Die Tatsache, dass sie auch in diesen verrückten Zeiten funktionieren, ist das ausschlaggebende.

Passt auf euch auf!

Bis bald

Saludos y un besito

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4 Antworten auf „9. Vier coronaliche Weisheiten“

Ich habe mich wieder auf den neuen Beitrag gefreut. So gut und lebendig geschrieben….. ein Vergnügen ihn zu lesen. Deine so positive Haltung und Einstellung bewundere ich! 💕💕

[…] Zu Beginn, hatte ich mir fest vorgenommen diesen Virus und die bald daraus resultierende Pandemie, niemals Thema meines Blogs werden zu lassen. Allerdings musste ich mich geschlagen geben, als ich mitten im ersten Lockdown und in selbstverordneter Quarantäne feststellte, dass es nun Teil des Lebens ist und ich nicht umhinkomme es auch mal in meinen schriftlichen Werken zu erwähnen. So entstand Artikel Nummer 9 .Vier coronaliche Weisheiten. […]

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