Kategorien
ARTIKEL

7. Herzlichkeit durch Umgang und Sprache

Gran Canaria und sein positiver Einfluss TEIL 2

Ich muss diesen Eintrag mit einer Erkenntnis starten, die ich schon vor einiger Zeit gewonnen habe, über die ich allerdings heute noch schmunzeln muss.

Achtung es folgen einige klischeehafte Aussagen! Es soll sich niemand vor den Kopf gestoßen fühlen!

Manchmal sage ich zu Ruy „Du bist so deutsch, wie es ein Spanier nur sein kann und ich bin so spanisch, wie es eine Deutsche nur sein kann.“

Tatsächlich entdecke nicht nur ich, einige „typisch deutsche“ Eigenschaften bei Ruy. Auch seine langjährigen Freunde, haben mir schon einmal geflüstert wie „deutsch“ er sein kann. Beispielsweise hasst er zu spät kommen. Das findet er absolut unzuverlässig.

Selbst die „akzeptierten 10-15 Minuten“ kommen ihm nicht in die Tüte. Das führt häufig dazu, dass wir viel zu früh das Haus verlassen und überall die ersten sind. Aber mir soll es egal sein, früher da sein, heißt auch früher ein kaltes Bierchen in der Hand zu halten.

Was mich angeht und meinen spanischen Kern, so würden den viele meiner Freunde nicht als „spanisch“, aber als „laut“ bezeichnen. Zum Einen telefoniere ich sehr, ich nenne es jetzt mal „vernehmbar“, auch in der Bahn. In Bars und Restaurants teile ich „vernehmbar“ Geschichten jeglicher Thematik, auch wenn der Nachbartisch mithören kann. Das ist mir in der Regel egal. Ansonsten lache ich auch sehr laut. Auch dafür scheinen sich mehr meine Begleiter zu schämen, als ich.

Ansonsten bin ich außerdem sehr offenherzig mit fast jedem Thema und kontaktfreudig.

Das klingt wie eine Kontaktanzeige in der Zeitung, aber so ist es. In Deutschland kann man hier und da schon mal auf Zurückhaltung und Verwunderung stoßen, wenn man so auftritt. Auf GC dagegen fühle ich mich sehr wohl damit. Hier bin ich weder die lauteste, noch die offenherzigste. Meine „Kontaktfreudigkeit“ ist im Vergleich zu der kanarischen warmherzigen Art, ziemlich kümmerlich.

Es passiert mir heute noch, dass ich die Hand reichen will, wenn ich jemanden kennenlerne. Dabei sollte ich das ja mal jetzt gelernt haben. Es wird gedrückt und geknutscht. Hauptsache Körperkontakt.

Mir gefällt das. In jeder Begrüßung steckt immer so viel Herzlichkeit. Beobachte ich Ruy, sehe ich immer wieder das es auch bei Männern bei einem Handschlag nicht bleibt, wenn diese sich begrüßen. Eigentlich wird sich danach noch mehrfach ein Klaps auf die Schultern und Arme gegeben.

Es schwingt immer ein Gefühl von „man hat sich gern“, „man gönnt“ und auch „wir sind doch alle gleich“ mit.

Allein schon zu beobachten wie viele Menschen auf der Straße so herzlich miteinander umgehen, verscheucht jede schlechte Laune. Es demonstriert eine Zufriedenheit, die absolut ansteckend ist.

Die Art zu sprechen auf den Kanaren ist eine besondere. Sie ist wie ein herrliches Stück Kuchen zu einer schönen Tasse Kaffee. Sie gehört einfach dazu und versüßt den Moment.

Eine Besonderheit der kanarischen Sprechweise habe ich bereits in TEIL 1 erwähnt. Es ist besonders „kanarisch“ alles zu verniedlichen, das heißt ein „-ita“ oder „-ito“ an das Wort zu hängen: Dann wird

„La carta“ (Die Speisekarte) zu „cartita“ (Kärtchen)

„La manta“ (Die Decke) zu „mantita“ (Deckchen)

„El beso“ (Der Kuss) zu „besito“ (Küsschen)

und so weiter und so fort. Man könnte etliche Beispiele aufzählen. Das gibt, ganz gleich welcher Aussage, einen sanften Ton. Und dieser sanfte Ton, spiegelt sich auch in einer genauso sanften Umgangsweise miteinander wieder.

Eine weitere kleine Anekdote dazu. Es ist tatsächlich einer meiner liebsten, bis jetzt. Es war einfach ein unglaublich netter und auch sinnbildlicher Zufall:

Im Herbst 2019 traten Ruy und ich unsere erste gemeinsame große Reise an. Diese führte uns unter anderem in die wunderschöne Mongolei. Wir hatten uns gerade eine große Klosteranlage angeschaut.

Um unser „neugewonnenes Wissen“ noch zu vertiefen durfte der Rundgang in dem angrenzenden Museum natürlich nicht fehlen. Das Museum ist recht klein und auch mehr ein riesengroßer Schaukasten von alten Mauerstücken und ihren dazugehörigen Schautafeln. Um ehrlich zu sein, war es so ziemlich das eintönigste was ich je erlebt habe. Sei‘s drum.

In dem Museum kam Ruy kurzzeitig mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch. Sie kamen aus Barcelona. Es wurde höflich genickt zum kleinen Smalltalk und fertig war die Sache. Bei mir wäre es wahrscheinlich absolut genauso gelaufen, wäre ich auf deutsche Touristen getroffen.

Etwas erleichtert den öden Schuppen wieder verlassen zu können, liefen wir raus und Richtung unseren Vans, als uns eine Horde Motorradfahrer vor dem Museumstor auffiel. Bestimmt 10-15 an der Zahl. Touristen, die die Mongolei per Harley erkundeten – echt ne coole Truppe. Ich selber hatte schon abgeschaltet und hatte nur noch den Van und Sitzen im Kopf. Aber Ruy hatte mit einem Ohr hingehört und fragte auf Spanisch in die Runde, woher sie denn kommen.Die Antwort: „Gran Canaria“. Was ein geiler Zufall aber auch!

Dann ging plötzlich ein Gewirr los. Ruy lief schnurstracks mit erhobenen Armen auf die Gruppe zu. „Wir auch!“, schrie er. Die Motorradfahrer ließen ihre Maschinen und Helme, Maschinen und Helme sein und eilten uns entgegen. Als ob man grade Familienmitglieder getroffen hätte. Danach hörte ich nur noch „Hola mi niña“, „hola guapa“. Nach einander umarmten wir uns und verteilten Küsschen. Kein einzelner wurde ausgelassen.

I’m not gonna lie – das war ein richtig schönes Gefühl. Alle haben sich in diesem Moment wirklich aufrichtig über diese Begegnung gefreut. Und wie herzlich jeder einzelne gedrückt und geherzt wurde! Als ob man sich kennt – einfach unglaublich. Ich werde diese Begegnung nie vergessen. Außergewöhnlich, wie ein einzelner Moment und ein paar Umarmungen von ein dutzend Fremder, mir das Gefühl von Geborgenheit geben konnte.

Mit jedem herzlichen Kontakt, mit jedem herzlichen Wort, könnt ihr, sogar bei einer fremden Person, etwas verändern. Schön oder?

Lohnt sich, es täglich anzuwenden.

Bis bald

Saludos y un besito

Las Canteras

Ich freue mich über deine Bewertung!
So gehts: Für x Sterne, den xten Stern von rechts anklicken

3 Antworten auf „7. Herzlichkeit durch Umgang und Sprache“

Schreibe einen Kommentar zu Martina Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.