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6. Lieber Zufriedenheit, als Profit

Ich würde stark behaupten, seit meiner Fernbeziehung mit Ruy hat sich mein Leben sehr verändert.

Meine Freunde und Familie haben das anfangs nur bedingt so empfunden, da ich auch schon durch meinen Beruf viel im Ausland bin. Bei mir bedeutet „auf der Arbeit“ – weg sein. So gesehen hat sich für mein Umfeld da nicht viel geändert. Es war einfach so, als ob ich noch ein wenig mehr arbeiten würde.

Dass meine Familie und Freunde, seit dem ich Ruy kennengelernt habe, unsere Beziehung in allem Maße unterstützen und befürworten, möchte ich in diesem Eintrag gar nicht groß ausweiten, obwohl mir diese Tatsache das Leben unsäglich erleichtert und mich natürlich total glücklich macht.

Ich möchte die folgenden Einträge nutzen, um mit euch ein paar positive Einflüsse des Lebens auf Gran Canaria zu teilen.

ACHTUNG, ACHTUNG – es folgt ein Dreiteiler!

Bevor ich loslege, möchte ich noch kurz klarstellen, dass ich mit meinen Schilderungen über mein Leben in Spanien oder mit Lobeshymnen über positive Erfahrungen mit der kanarischen Lebensweise, nicht mein Leben in Deutschland oder die deutsche Lebensweise schlecht reden möchte. Dass ich mein Leben in Deutschland genauso liebe und viele Dinge an diesem schätze, steht für mich außen vor. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, sondern einfach mein Leben hier mit euch teilen. Die positiven Erfahrungen, die ich hier mache, möchte ich weitergeben. Hoffentlich kann ich mit dem, was ich neu über mich und das Leben lerne, inspirieren.

Gran Canaria und sein positiver Einfluss TEIL 1

Die Leichtigkeit des Lebens – Lieber Zufriedenheit, als Profit

Um dieses Thema zu beschreiben, möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen:

Es war ein schöner sonniger Tag. Wir beschlossen außerhalb Mittag zu essen. An der Strandpromenade suchten wir uns eines der zahlreichen kleinen Restaurants aus. Meist reihen diese sich nebeneinander auf. Den Unterschied zwischen der Bestuhlung draußen kann man kaum ausmachen. In der Regel bekommt man eh überall leckere Gerichte. Einen richtigen kulinarischen Patzer, habe ich, toi toi toi, in GC noch nicht erlebt.

Da saßen wir also, bestellten unser „cañita“ (ein caña ist ein kleines gezapftes Bier. Auch hier wieder die Verniedlichung „-ita“ dran gehängt. Das wird ständig und am liebsten mit jedem Wort gemacht. Etwas „sehr kanarisches“).

Das Essen war hervorragend. Wir waren begeistert von den außergewöhnlichen Ideen des Kochs.

Wie es mit meinem Freund ja gang und gäbe ist, kennt er mal wieder jemanden. Diesmal ist es der Besitzer des Lokals. Sie tauschen sich aus, wir loben das Essen, you know the drill.

Kurz darauf verrät mir Ruy, dass der Koch unglaublich erfolgreich ist. Er ist bereits bekannt, wie ein bunter Hund unter den Gastronomen und sehr beliebt bei der Kundschaft. Ja! Kann ich bestätigen.

Sofort drängt sich mir die Frage auf, warum er dann nicht, seiner Karriere zuliebe, den Standort wechselt. So erfolgreich, wie er hier gerade ist, könnte er doch in einer großen Stadt, wie zum Beispiel Madrid, doch sicher noch größere Erfolge feiern und wahrscheinlich auch noch mehr Geld verdienen.

Ich habe gar nicht weiter über diese Bemerkung nachgedacht. Für mich war dieser Gedankengang normal. Man muss ja schließlich nach vorne schauen, alle Möglichkeiten ausschöpfen und Sicherheiten schaffen, wo es nur geht. Da kommt immer meine deutsche Einstellung zum Tragen. Wir sind eben ein sehr zielstrebiges Völkchen.

Ruy hat mich dann nur ganz merkwürdig angelächelt. Das war irgendwie ein echt skurriler Moment. Ganz lieb, weder beleidigt noch belehrend, erklärte er mir „Weißt du, für uns ist eher wichtig ein ausgeglichenes Leben zu führen und noch Zeit zu finden, das Leben neben er Arbeit wirklich genießen zu können, als ein Tausender mehr auf dem Konto zu haben.“

Da war ich dann erstmal kurz sprachlos. Es war so logisch und klang so gesund. „Ja…verständlich“, war dann auch alles, was ich dazu dann noch zu sagen hatte.

Ruy zuckte mit den Schultern. „Welcome to canary island!“, sagte er lachend.

Diesen Satz habe ich tatsächlich schon öfters von ihm gehört.

Eigentlich immer, wenn unsere Ansichten mal wieder in verschiedene Richtungen gehen. Ich bin einfach mit anderen gesellschaftlichen Konventionen groß geworden. Konventionen, die ich schätze, die mich weiterbringen und die ich nie ablegen werde.

Trotzdem, bin ich dankbar auch mal in einem anderen gesellschaftlichen Konzept leben zu dürfen.

Ich denke, ich habe manchmal alles zu ernst genommen. Kennt ihr das? Dieses Gefühl immer funktionieren zu müssen, und trotzdem irgendwie nie genug zu sein oder zu machen?

Mich setzt das zeitweise mächtig unter Druck. Hier in GC, mit Ruy an meiner Seite, wird mir mehr und mehr bewusst, dass dieser hausgemachte Druck kontraproduktiv ist. Das ständige Streben nach vorne und hin zu einer gesicherten Zukunft, raubt mir des Öfteren mein Glücksgefühl im Hier und Jetzt.

Wir dürfen auch zufrieden mit uns sein, an Tagen, an denen wir nicht furchtbar produktiv waren. Vor allen Dingen aber sollten wir doch zu jeder Zeit in unserem Leben einfach glücklich gewesen sein…oder etwa nicht?

Ich bin auch sehr für Sicherheiten.

Ein jeder von uns muss seine Rechnungen bezahlen.

Und, natürlich, haben wir alle mal Tage, an denen man alles scheiße findet.

Aber ich habe in meinem Grundkonzept etwas geändert, um meine jetzige Lebenszeit nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Ich möchte einfach nicht später einmal zurückblicken und sagen: „Ja ich habe immer zukunftsorientiert und sicher entschieden.“ Auch wenn es mir später dann gut geht, ist es trotzdem SPÄTER. Ich möchte auch manchmal für JETZT entscheiden.

Wenn mich jemand unter Druck setzt, dann bin nur noch ich selber das. Vielleicht, weil ich mehr von mir erwarte oder mich motivieren will oder weil es manchmal Druck erfordert, um den Mut aufzubringen, das Richtige zu tun.

Aber, ich möchte mich nicht mehr von einer Gesellschaft unter Druck setzen lassen, deren Anforderungen ich nicht immer erfüllen kann und vielleicht auch nicht möchte.

Es ist durchaus legitim, sich in manchen Momenten zu überlegen (wenn man das selber möchte und weiß es ist im Rahmen seiner ganz persönlichen Möglichkeiten. Natürlich!) :

Treffe ich jetzt diese Entscheidung, weil mir beigebracht wurde, dass es so der richtige Weg ist oder treffe ich diese Entscheidung weil es mich „einfach nur“ glücklich macht?

Um es mit der Einstellung des Kochs zu beschreiben: Will ich mehr Prestige oder will ich mehr Zeit am Strand?

Ich hoffe, ich schaffe es dieses Konzept zu beherzigen. Die Entscheidung diesen Blog zu schreiben, ist jedenfalls schon eine Momentaufnahme davon, wie das Konzept in meinem Leben Gestalt annimmt.

Vielleicht seid ihr ja schon so weit! Oder vielleicht versucht ihr es ab jetzt mit mir zusammen.

Ruy hat mal zu mir gesagt (und das hilft ungemein, wenn man mal wieder total überfordert ist und Ordnung in zuviele Verpflichtungen und Gedanken bringen möchte):

Du musst jeden Tag nur 3 DINGE erledigen. Etwas, was du machen MUSST, zum Beispiel arbeiten gehen oder putzen, was eben ansteht, etwas was JEMAND ANDEREN glücklich macht, zum Beispiel die Oma anrufen, bei den Eltern vorbeischauen, mit einer Freundin treffen und etwas was DICH glücklich macht, zum Beispiel die Lieblingsserie schauen, favorite food oder die Freunde sehen.

Und zack kann man durchatmen, weil man vielleicht schon einen großen Teil abhaken kann. In manchen Momenten schafft es auch einfach ein wenig Erleichterung, weil man dem hektischen Leben eine simple Struktur gegeben hat.

Hoffe es hilft euch weiter, wenn ihr es braucht!

Bis bald

Saludos y un besito

Playa del Confital
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2 Antworten auf „6. Lieber Zufriedenheit, als Profit“

[…] Immer wieder stelle ich fest, wie unglaublich viel alle Menschen miteinander gemein haben, ganz unter Ausschluss der jeweilgen Kulturen. Es sind doch wirklich nur ein paar feine, kleine Details, durch die wir uns voneinander unterscheiden. Nichts desto trotz, diese Details sind die Essenz jeder Kultur. Ein Beispiel dafür, unteranderem, ist Artikel Nummer 6. Lieber Zufriedenheit, als Profit. […]

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