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3. Wo alles begann

Ich möchte euch nicht viel länger im Dunklen tappen lassen. Ich würde sagen ich mache jetzt schon mal einen großen Sprung zurück in die Vergangenheit – wie angekündigt – und erzähle euch erstmal wie Ruy und ich uns kennenlernten. Das ist übrigens sein Name! Ich weiß, anfangs habe ich ein Geheimnis draus gemacht, aber da wir jetzt gemeinsam richtig in Ruy und meine Geschichte einsteigen, gefällt es mir besser, wenn wir alle auf einer „first name basis“ sind.

Warum ist es mir so wichtig, dass ihr unsere „Kennlern-Story“ kennt? Zum einen, weil ich euch einfach ein bisschen Hintergrundwissen zu unserer Beziehung geben möchte.

Zum anderem, ist die Story der absolute Hammer und verdächtig hollywoodreif. Also spitzt die Ohren, beziehungsweise sperrt die Augen auf, es folgt eine „wahre Begebenheit“:

Wir lernten uns kennen im Herbst 2018. Beide waren wir mit einer Gruppe von Freunden backpacken in Peru. Während eines 5-tägigen Wandertrips kreuzten sich dann unsere Wege. Unsere Wandergruppe wurde begleitet von zwei Guides. Wir waren ungefähr 20 Mann. Die Tour, die uns bis auf 4.700 m Höhe führte, durch Regen, Schnee und Sonnenschein, durch Gebirge und Dschungel war absolut atemberaubend. Natürlich ist mir Ruy schon direkt am ersten Tag aufgefallen. Ich ihm auch, aber das habe ich erst viel später erfahren. Wie es die perfekte Ironie der Geschichte so will, war ich viel zu schüchtern, um mich in meinem Spanisch zu versuchen und das Gleiche galt für ihn in Englisch. Also blieb es bei Small-talk und Gesprächen in größeren Gruppen. Eins ist sicher, wir hatten eine Menge Spaß!

Glücklicherweise wurde eine Whats-App Gruppe mit allen Tourteilnehmern unserer Wandergruppe erstellt, um Bilder und Infos auszutauschen. Wie einfach es uns die Technik von heute doch so macht! Also konnten wir anfangen zu schreiben, als sich unsere Wege nach dem Hiking-Trip trennten.

Zurück in Deutschland/ Spanien begannen wir fast täglich zu videochatten. Seit dem wir uns in Peru Tschüß gesagt hatten, ist bis heute kein Tag mehr vergangen, an dem wir keinen Kontakt mehr hatten. Schon in Peru erwähnte Ruy häufiger, ich könne ihn ja mal auf den Kanaren besuchen kommen. Schließlich war ich ja noch nie da. Stimmt!

Trotz anfänglicher Unsicherheiten, habe ich mich recht schnell von ihm überzeugen lassen und saß drei Wochen später im Flugzeug nach Las Palmas. Ich war tatsächlich so nervös, dass ich den Koffer, den ich eigentlich einchecken musste, erstmal mit zur Securitykontrolle geschleift habe. Soviel zu „einen kühlen Kopf bewahren“.

Das Ende vom Lied ist, der Koffer, wie ich selbst sind heil in Las Palmas angekommen. In drei unvergesslichen Tagen, zeigte Ruy mir nicht nur den Traum von Insel, auf dem er aufgewachsen war und lebte, sondern er ermöglichte mir auch schon einen kleinen Einblick in den schwungvollen „Canary Lifestyle“.

Die drei Tage fühlten sich an wie eine halbe Ewigkeit. Eins war uns klar, das Wiedersehen dürfen wir nicht lange warten lassen. Ab diesem Zeitpunkt fing mein Leben an einiges mehr an Organisation zu verlangen. Glücklicherweise arbeite ich in einem Job, in dem ich einen Einfluss auf meinen Dienstplan haben kann. Und so starteten wir in unsere Fernbeziehung „Frankfurt – Las Palmas“.

Führt man solch eine ungewöhnliche Beziehung, muss man mit viel Gegenwind rechnen. Der ist nicht immer negativ oder mit einer bösen Absicht behaftet, meistens ist es einfach Neugierde und ernst gemeintes Interesse für dieses exotische Beziehungsmodell. Trotzdem musste ich mich und uns schon oft erklären. Unkommentiert bleibt unsere Beziehung nie, so schön die Kennlern-Story auch ist. Vielleicht haben einige von euch auch schon Erfahrungen damit gemacht?

Ich habe mich mittlerweile an die Fragen gewöhnt. Ich würde Ruy für keine einfachere Lösung dieser Welt aufgeben, so kompliziert es auch mal sein kann. Außerdem habe ich festgestellt, man gewöhnt sich wirklich an alles, glaubt mir! Und ich selber finde Herzschmerz eines der abartigsten Dinge, die ein Mensch fühlen kann. Aber vermissen mit dem Wissen, sich in drei, zwei, einer Woche wieder in den Armen zu liegen, kann so schön sein.

Ruy und ich ziehen das Beste und Wertvollste aus unserer Zeit miteinander. Ich möchte gar nicht sagen „aus unserer Situation“, denn das klingt so temporär und deprimierend. Wir führen eine Beziehung, wie jede andere auch. Wäre er ein Superdeluxe CEO und würde von Geschäftsreise zu Geschäftsreise zu Meetings huschen, würden schon weniger Fragezeichen bei Außenstehenden auftauchen. Einfach weil so etwas als „normal“ in unserer Gesellschaft angesehen wird.

Ich muss mich im übrigen absolut dazu zählen! Vor meiner Fernbeziehung mit Ruy, hätte sich die gleichen Fragezeichen in meinem Gesicht abgezeichnet.

Vielleicht ist der Tag gekommen, auch in Anbetracht der scheinbar in sich zusammenschrumpfenden Welt und globalen Vernetzung, dem Begriff „normal“ in der heutigen Zeit eine großzügigere Betrachtungsweise zukommen zu lassen.

Ich muss es jedenfalls auch noch lernen. Ich möchte offener werden  in meiner Denkweise. Offener als die gesellschaftlichen Konventionen. Und hier schließt sich der Kreis, denn nicht nur meine Fernbeziehung hilft mir dabei, sondern auch die „kanarische Mentalität“. Mehr dazu, mal wann anders. Ich denke, das war für heute erstmal genug Lesestoff.

Vielleicht habe ich euch einen Denkanstoß geben können. Vielleicht habe ich auch einigen von euch direkt aus dem Herzen gesprochen, weil ihr selber in einer Fernbeziehung steckt und genau wisst, wovon ich rede. Vielleicht konnte ich euch auch einfach nur den Tag ein wenig versüßen.

Egal wie, ich freue mich, dass ich tatsächlich die schönste Story meines Lebens mit euch teilen konnte.

Bis bald

Saludos y un besito

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2 Antworten auf „3. Wo alles begann“

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